MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

Pharmazie-Gigant Teva muss tausende Mitarbeiter entlassen

in Israel Zwischenzeilen/Wirtschaft & Innovation

Einst war der Generikahersteller Teva Vorzeigeunternehmen der israelischen Wirtschaft, doch nach einer Kette von strategischen Fehlentscheidungen des oberen Managements, drohen nun ernste Konsequenzen: Weltweit mehr als 14.000 Stellen (davon rund 1.750 allein in Israel) muss das Unternehmen abbauen, um wieder profitabel zu werden.

In Israel rief die Gewerkschaft Histadrut am Wochenbeginn zu einem Massenstreik auf, der sich auch auf andere Branchen erstreckte – so streikte das gesamte Flughafenpersonal und Flüge waren verspätet oder wurden ganz abgesagt. Der Streik wurde auch am Dienstag in allen Teva-Fabriken fortgesetzt. „Das wichtigste ist, die Zahl der Entlassungen zu reduzieren. Tevas Hauptquartier muss in Israel bleiben und wir müssen die Fabrik in Jerusalem erhalten“, fordert der Gewerkschaftschef Avi Nissenkoren. Die Wut bei Teva-Mitarbeitern ist riesig: Landesweit wurde vor Fabriken des Pharmaunternehmens demonstriert, vor allem auch, um die Regierung dazu zu bewegen, Schritte für den Erhalt der Arbeitsplätze einzuleiten.

„Teva konnte auch dank der Unterstützung durch den israelischen Staat so erfolgreich werden und die Mitarbeiter sind diejenigen, die jetzt den Preis zahlen müssen“, erklärte Wirtschaftsminister Eli Cohen in einer Pressemitteilung. Das Unternehmen hat mehr als 22 Milliarden Schekel (ca. 530 Millionen Euro, 620 Millionen CHF) Steuervergünstigungen in Israel erhalten. Dass ihre Arbeitsplätze trotzdem nicht sicher sind, machte viele Teva-Mitarbeiter so wütend, dass sie sogar Reifen in ihren Protesten anzündeten.

Teva-Mitarbeiter demonstrieren in Ashdod (Bild: Presseabteilung Histadrut).

Weitere Informationen:
Proteste gegen Teva-Entlassungen (englisch), JPost, 17.12.17

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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