MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

Die Wirtschaft öffnet: Die jungen Arbeitskräfte bleiben zu Hause

in Israel Zwischenzeilen/Wirtschaft & Innovation

Funktionieren die israelischen Hilfsmassnahmen für Arbeitnehmer, die von der Corona-Pandemie besonders getroffen wurden, vielleicht ein bisschen zu gut? Zumindest impliziert das ein Bericht des Jobcenters: Obwohl die Arbeitslosenrate im März auf 8,9 Prozent gesunken ist, veränderte sich die Zahl der jüngeren Leute, die zur Arbeit zurückkehrten kaum. Die unter 34-Jährigen machen immer noch 47,4 Prozent der Arbeitslosen im ganzen Land aus. Sie arbeiteten vor der Pandemie vor allem in der Gastronomie, Hotelbranche und im Veranstaltungsbereich. Nach Angaben des Amts für Statistik hatte Israel im März besonders in diesen Branchen rekordverdächtige 112.500 freie Stellen anzubieten, die höchste jemals erfasste Zahl für einen Monat.

Die Arbeitslosenhilfe in diesen Berufen, die besonders hart von der Corona-Krise getroffen wurden, ist in etwa so hoch wie das dort verdiente Gehalt und weil diese Hilfen bis Ende Juni verlängert wurden, sehen viele junge Menschen keinen Grund, schnellstmöglich an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren.
Immerhin für einen anderen Teil des israelischen Volkes hat die Pandemie aber wohl durchaus positive Folgen: Die Umstellung auf verschiedene Home-Office- und Telearbeits-Modelle führt wohl dazu, dass immer mehr ultraorthodoxe Arbeitnehmer im High-Tech-Bereich tätig werden: So sei laut einer Umfrage des Askaria Instituts gemeinsam mit Kama-Tech und IATI-Israel die Zahl der ultra-orthodoxen Mitarbeiter in vielen Büros deutlich angestiegen. Vor allem ultraorthodoxe Männer sind bisher sehr schlecht in den israelischen Arbeitsmarkt integriert, der High-Tech-Bereich wiederum leidet unter Fachkräftemangel. Wenn es nach Moshe Friedman, Co-Gründer und CEO von Kama-Tech geht, könnten hier Synergien geschaffen werden: „Besonders in der aktuellen Arbeitskräfte-Krise glauben wir, dass der ultraorthodoxe High-Tech-Bereich langfristig enormes Wachstumspotential für die israelische Wirtschaft hat.“

Volle Restaurants wie hier am Hilton-Strand in Tel Aviv – aber nicht genügend Personal (Bild: KHC).

Weitere Informationen:

Junge Arbeitnehmer wollen nicht zurück (eng), Times of Israel

Mehr Ultraorthodoxe in High-Tech (eng), JPost

Redakteurin Katharina Höftmann Ciobotaru arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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