MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

Ein Stück israelische Geschichte bewahren

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Im Juni 1948 sollte das Schiff Altalena Waffen, Munition, medizinische Hilfsgüter und fast 1.000 Einwanderer von Frankreich nach Israel bringen. Doch Auseinandersetzungen zwischen Kämpfern der paramilitärischen zionistischen Organisation Irgun und den israelischen Verteidigungskräften führten schliesslich zur Zerstörung und Verbrennung der Altalena vor der Küste Tel Avivs. Bei den Zusammenstössen wurden 16 Irgun-Kämpfer und drei IDF-Soldaten getötet. Die Tatsache, dass dabei Juden auf Juden schossen (zum Teil Holocaustüberlebende) ist bis heute ein wunder Punkt in der Geschichte des Landes.

Die kampfunfähige Altalena lag mehrere Monate lang vor Tel Aviv, bis der damalige Premierminister David Ben-Gurion schliesslich ihre Versenkung anordnete. Jahrzehntelang wurde versucht, die Altalena zu orten und aus dem Wasser zu bergen, damit ihre Überreste als Mahnmal dienen können. Das Schiff ist von grosser historischer Bedeutung, denn die Altalena kann als greifbare Erinnerung an die Gefahren dienen, die lauern, wenn die israelische Gesellschaft zu tief gespalten ist. Ein Thema, das insbesondere in der aktuellen politischen Krise in Israel grosse Relevanz besitzt. Doch trotz seiner grossen Bedeutung hat der Staat nicht genügend Anstrengungen unternommen, um es zu lokalisieren, das zumindest glauben einige israelische Historiker.

So sagt beispielsweise Herzl Makov, Leiter des Menachem Begin Heritage Center: „Es ist angemessen und wichtig, dass dieses Kapitel der israelischen Geschichte aufgearbeitet wird“, und fügt hinzu, „Leider wurde dies bisher nicht getan, aber nicht, weil man die Altalena nicht finden will. Es liegt an der Vernachlässigung des Themas und daran, dass es nicht auf der Tagesordnung steht.“

Die Altalena am Strand von Tel Aviv 1948 (Bild: GPO).

Redakteurin Katharina Höftmann Ciobotaru arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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