MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

Erste umfassende Studie zu Corona in Israel

in Israel Zwischenzeilen/Medizin & Wissenschaft

Nachdem die Kritik an den neusten Regierungs-Entscheidungen zur Eindämmung des Corona-Virus wächst, hat das Gesundheitsministerium nun erstmals eine Studie zum Infektionsgeschehen veröffentlicht. Die Studie beleuchtet, wer sich wo infiziert hat. Da das Ministerium aber die epidemiologischen Daten nicht konstant gesammelt hat, konnten nur die Infektionen der vergangenen Woche analysiert werden, in der 7.998 Menschen mit dem Virus diagnostiziert wurden (was bedeutet, dass die Infektionszeit in etwa weitere ein bis zwei Wochen zurückliegt). Bei einem Drittel dieser Personen ist immer noch unklar, wo sie sich infiziert haben und 204 Infizierte weigerten sich, Angaben zu machen.

Von den 5.120 Patienten der Studie haben sich 67 Prozent in ihrem Zuhause infiziert. 9,5 Prozent in Schulen und 5,6 Prozent bei Veranstaltungen (für etwa zwei Wochen waren Feiern mit bis zu 250 Teilnehmern wieder erlaubt) und 4,8 Prozent in religiösen Einrichtungen wie Synagogen. In gastronomischen Einrichtungen haben sich etwa 4 Prozent der Betroffenen infiziert und in Pools, Fitnesscentern und Geschäften hingegen lediglich 0,2 bzw. 1,2 Prozent. Eine Erweiterung der Studie konnte auch das Alter der Infizierten in den letzten Monaten analysieren: Von den 48.000 Corona-Patienten sind die meisten in der Altersgruppe 20 bis 29 (10.755), gefolgt von 10 bis 19 Jahre (9.152), 30 bis 39 (7.020) und 40 bis 49 (6.129). Diese Zahlen erklären vielleicht auch ganz gut, warum die Sterberate trotz der mittlerweile enorm hohen Infektionsrate immer noch recht niedrig ist.

Derweil gehen die Diskussionen im Land weiter, wie man am Besten mit der zweiten Coronawelle umgehen sollte. In dieser Woche sollten im ganzen Land wieder die Restaurants und Cafés geschlossen werden, mittlerweile wurde diese Entscheidung nach scharfen Protesten revidiert. Auch Synagogen sind weiterhin landesweit geöffnet. Befürworter eines totalen Lockdowns mit dem Ziel, die Kurve nicht abzuflachen, sondern das Virus komplett auszulöschen, stehen denjenigen gegenüber, die die Wirtschaft nicht weiter schwächen wollen. In der Zwischenzeit gehen die Zahlen der Infizierten und auch derjenigen, die in Krankenhäusern behandelt werden müssen, stetig hoch: Drei große Krankenhäuser sind schon jetzt am Limit angekommen: In Jerusalem, das besonders hart vom Corona-Virus getroffen wurde, operiert das Ein Kerem Krankenhaus mittlerweile mit 184 Prozentiger Kapazität. Zwei weitere Krankenhäuser im Land sind bei 94 Prozentiger Auslastung.

Aufstellung der Infektionsorte (Grafik: Jerusalem Post).

Weitere Informationen:

Corona-Studie beleuchtet Infektionswege (eng), JPost

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Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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