MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

Israel kämpft weiter mit Corona-Virus

in Israel Zwischenzeilen/Medizin & Wissenschaft

Der Lockdown wurde teilweise aufgehoben: Friseure, Nagelstudios und Take-Away in Restaurants sind wieder geöffnet, auch die Regel, sich nur einen Kilometer vom Haus wegbewegen zu dürfen, gibt es nicht mehr. Aber die Schulen und Kindergärten bleiben weiter zu. Zu gross ist die Angst vor einer Explosion der Infektionsrate, die nach wie vor mit zwischen 4.000 bis 5.000 Neuinfektionen pro Tag extrem hoch ist, zu gross ist die Angst vor der britischen Mutation, die Kinder wohl nicht nur häufiger betrifft, sondern auch schlimmere Verläufe zur Folge hat. Die Tatsache, dass eine ganze Menge Fake-News im Umlauf sind, die wohl auch dafür gesorgt haben, dass die Impfrate vor allem unter den jüngeren Israelis noch immer sehr gering ist – und das, obwohl die Impfung mittlerweile für alle Bürger über 16 verfügbar gemacht wurde – hilft auch nicht. „Zu Beginn der Impfkampagne haben wir 100.000 bis 120.000 Menschen pro Tag geimpft, in den letzten Tagen ist es nicht einmal mehr die Hälfte“, erklärt Kalanit Kaye, die ein Impfzentrum der Krankenkasse Clalit betreut, dann auch frustriert. Problematisch ist auch weiterhin, dass keine der Corona-Impfungen für Kinder freigegeben ist.

Die Stimmung bei den aktuellen Notsitzungen der Regierung, bei denen über die weitere Öffnung oder besser gesagt Nicht-Öffnung entschiedenen werden soll, ist dementsprechend gereizt bis verzweifelt. Obwohl fast allen klar ist, dass der letzte Lockdown so wenig gebracht hat, wie kaum ein Lockdown zuvor und dass nach der riesigen Impfkampagne viele Israelis nicht mehr zu Einschränkungen bereit sind, traut man sich auch nicht, bestimmte Entscheidungen wie die von allen im Land sehnlichst erwartete Öffnung der Schulen zu treffen. Die Idee, nur Einrichtungen in als grün oder gelb eingestuften Städten zu öffnen, bringt den wenigsten etwas, da die Infektionszahlen in den meisten Städten für orange oder rot gesorgt haben.

Immerhin wurde derweil am Ichilov Krankenhaus in Tel Aviv ein Medikament entwickelt und bereits in erster Phase getestet, mit dem alle 30 schwer und moderat an Corona erkrankten Patienten erfolgreich behandelt wurden, bei 29 der Patienten trat die Heilung bereits in drei bis fünf Tagen ein. Das Medikament bekämpft die fatale Überreaktion des Immunsystems namens Zytokinsturm, die wohl zu vielen Toden im Zusammenhang mit Corona führt, indem es das Enzym CD24 nutzt und zur Lunge bringt – CD24 ist bekannt dafür, das Immunsystem zu regulieren.

Leere da, wo sich sonst Urlauber und Einheimische gegenseitig auf die Füsse treten: In Jaffa haben viele Geschäfte seit Wochen geschlossen (Bild: KHC).

Weitere Informationen:

Impfquote in Israel stagniert (eng), Times of Israel

Neues Medikament gegen Corona (eng), Times of Israel

Redakteurin Katharina Höftmann Ciobotaru arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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