MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

Israel macht die Grenzen dicht

in Israel Zwischenzeilen/Medizin & Wissenschaft

Es ist ein neuer Höhepunkt der Massnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus: Israel hat mit sofortiger Wirkung den Flughafen geschlossen und damit nun alle Grenzen komplett dicht gemacht: Auch für israelische Staatsbürger. Dieser Schritt folgt auf immer weiter steigende Zahlen von Infizierten und vor allem Todesfällen: Seit Beginn des Jahres haben bereits mehr als 1000 Menschen ihr Leben an Covid-19 verloren. Mehrere Krankenhäuser melden verzweifelt das ihre Corona-Stationen überfüllt sind und sie niemand Neues mehr behandeln können. Aber noch etwas anderes macht den Ärzten Sorgen: Die Zahlen der Kinder, die an der britischen Mutation des Virus schwer erkrankt sind, scheinen deutlich höher zu liegen als die in der normalen Corona-Version. Auch kämpfen einige Schwangere im Land mit dem mutierten Virus: Ebenfalls ein neuartiges Phänomen. Deswegen wurde nun entschieden, dass schwangere Frauen schneller als bisher geplant geimpft werden sollen. Vertreter des Gesundheitsministeriums warnten, dass die britische Variante zu ernsteren Erkrankungen führe und oftmals nicht durch gängige Testverfahren entdeckt würde. Auch ist immer noch nicht klar, wie gut die Impfung vor den neu auftretenden Variationen des Virus‘ schützt. Eine Arbeitsgruppe des Militärs warnt derweil davor, dass das Virus durch die vielen geimpften Personen in Israel nochmals neu mutieren könnte und so eine israelische Variante entstehen könnte, gegen die bisherige Impfungen machtlos sind.

Vor allem der ultraorthodoxe Sektor ist weiterhin von Corona und den verschiedenen Virus-Versionen betroffen. Von den erkrankten Kindern und Jugendlichen gehören mehr als die Hälfte dem ultraorthodoxen Haredi-Spektrum an. Die extrem hohen Infektionsraten hängen einerseits damit zusammen, dass ultraorthodoxe Familien sehr kinderreich sind und viele Familien in beengten Verhältnissen leben – aber auch daran, dass sich viele ultraorthodoxe Gemeinden im Land weigern, die Lockdown-Massnahmen einzuhalten. Mit Unterstützung der leitenden Rabbiner haben ganze Städte wie das religiöse Bnei Brak Schulen, Kindergärten und Religionsschulen einfach wieder geöffnet: Insgesamt sind 15 Prozent der ultraorthodoxen Bildungseinrichtung offen, als wenn nichts wäre. Und während die Polizei in anderen Teilen des Landes schon seit Wochen fleissig Strafen für Nichteinhaltung der Massnahmen verteilt, wurden viele orthodoxe Städte und Stadtteile praktisch ignoriert. Als sich das unter Druck der Öffentlichkeit nun ändern sollte, kam es vor allem in Bnei Brak zu schweren Ausschreitungen und Strassenschlachten zwischen ultraorthodoxen Bürgern und Polizisten.

Eine Strassensperre in Tel Aviv: Momentan darf sich niemand im Land weiter als einen Kilometer von der Wohnung entfernen (Bild: KHC).

Weitere Informationen:

Militär warnt vor israelischen Corona-Variante (eng), Times of Israel

Israel will aktuellen Lockdown weiter verlängern (eng), Jerusalem Post

Redakteurin Katharina Höftmann Ciobotaru arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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