MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

Kaum Frauen in der Regierungsspitze

in Israel Zwischenzeilen/Leben, Kultur & Sport

Die neue israelische Regierung plant nicht nur fundamentale Justizreformen, die wöchentlich hunderttausende Menschen im Land demonstrieren lassen, sie hat bisher auch keine einzige Frau in die Generaldirektion der Ministerien aufgenommen.

Von den 31 Ministerien der aktuellen Regierung, die Ende Dezember vereidigt wurde, hat kein einziger Minister eine Frau als Generaldirektorin ernannt. Dreiundzwanzig der Posten wurden mit Männern besetzt. Sechs Generaldirektoren sind noch nicht ernannt worden und werden voraussichtlich in den kommenden Wochen ernannt, nur einer davon soll Gerüchten zufolge mit einer Frau besetzt werden – aber auch das ist bisher nicht klar.

Von den derzeit 32 Ministern in der Regierung (einige Ministerien haben mehrere Minister, und einige Minister haben mehr als ein Ressort) sind sechs Frauen: Verkehrsministerin Miri Regev, Umweltschutzministerin Idit Silman, Ministerin für öffentliche Diplomatie Galit Distel Atbaryan, Geheimdienstministerin Gila Gamliel, Ministerin für nationale Missionen Orit Strock und Ministerin im Amt des Premierministers May Golan. Damit hat sich die Lage für Frauen in Spitzenämtern in der israelischen Politik noch weiter verschlechtert: In der letzten Regierung waren neun von 27 Ministern weiblich. Zusätzlich gab es aber immerhin neun weibliche Ministerialdirektorinnen. Insgesamt befinden sich unter den 64 Abgeordneten der aktuellen Koalition nur neun Frauen. In der letzten Regierung waren es 24.

Die beiden ultraorthodoxen Parteien in der Koalition, Schas und Vereinigtes Tora-Judentum, haben gar keine Frauen auf ihren Wahlzetteln, während die rechtsextreme religiöse Otzma Yehudit nur eine hat.

In einer Studie aus dem Jahr 2021 stellte das Israel Democracy Institute fest, dass ein Anstieg der Zahl der Frauen in der Knesset und in der Regierung damit einhergeht, dass mehr Gesetze, die die Interessen und Bedürfnisse von Frauen unterstützen, erlassen werden. Das IDI wies darauf hin, dass in den letzten Jahren „die Aktivitäten in der Knesset, die auf die Verbesserung der Stellung der Frau in der Gesellschaft abzielen, hauptsächlich von weiblichen Abgeordneten durchgeführt wurden“.

Dementsprechend hat das „israelische Frauennetzwerk“ letzte Woche einen offenen Brief an Premierminister Benjamin Netanjahu geschickt und gefordert, dass der Mangel an weiblichen Ministerialdirektoren behoben wird: „Eine so geringe Vertretung von Frauen unter den Direktoren von Ministerien ist ein eklatanter Verstoss gegen das Mandat für eine gerechte Vertretung“, schrieb die Organisation in dem Brief, der zuerst von der Nachrichtenseite Walla veröffentlicht wurde.

Die 37. israelische Regierung ist die Frauen-ärmste seit langem (Bild: Knesset Webseite)

Redakteurin Katharina Höftmann Ciobotaru arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

Die neusten Artikel von Israel Zwischenzeilen

Nach Oben