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Jerusalem baut höher und höher

in Israel Zwischenzeilen/Wirtschaft & Innovation

Jerusalem ist vor allem für seine Bauten aus weißen Kalkstein, sogenanntem Meleke, sowie die vielen wunderschönen Kirchen und Moscheen bekannt – doch auch die wahrscheinlich schönste Stadt Israels verändert sich stetig und wird moderner: Im Stadtzentrum sind derzeit mehrere Hochhäuser in Planung, unter anderem entsteht auf dem Komplex des alten Sha’arei Zedek Krankenhauses ein 24-Stockwerke hoher Wohnblock, das alte Krankenhausgebäude soll dabei aufwendig restauriert und erhalten bleiben. Rund um den bunten Machane Yehuda Markt entstehen gleich mehrere Hochhäuser, so dass der Markt bald komplett davon eingeschlossen sein wird. Die Projekte, die zum Teil bis zu 50 Stockwerke hoch sind, bieten jedoch selten Wohnraum für Familien oder die „normalen“ Bürger der israelischen Hauptstadt: Die meisten der teuren Luxus-Apartments werden wohl von wohlhabenden Ausländern erworben, die zum Teil nicht einmal in der Stadt leben.

Auch architektonisch sind die Projekte nicht immer besonders ansehnlich; dass die Zahl der Stockwerke, die gebaut werden dürfen, immer weiter hochgesetzt wird, sorgt für viel Kritik. „Meiner Meinung nach sollten acht Stockwerke das erlaubte Maximum für Gebäude auf Hauptstraßen wie der King George sein“, erklärte beispielsweise der auf Restaurationen spezialisierte Architekt Moshe Shapira, „Die Türme überschatten die lokale Architektur, und in ihrer Positionierung liegt etwas Brutales…Selbst wenn die historischen Außenwände restauriert werden, die Inneneinrichtung ist oft völlig zerstört…Und die Türme stehen wie Fremdkörper in den alten Nachbarschaften, sie überschatten die Höfe und wirken bedrohlich.“ Die meisten Architekten und Spezialisten wünschen sich, dass solche hohen Bauprojekte stattdessen etwas außerhalb des alten Stadtzentrums realisiert werden – sie kritisieren vor allem auch, dass bestimmte Regeln von der Stadt gesetzt werden, aber es zu viele Ausnahmeregeln gäbe.

Blick auf den Ölberg – so unverbaut wie hier ist Jerusalem nur noch an wenigen Stellen (Bild: KHC)

Redakteurin Katharina Höftmann Ciobotaru arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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