MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

Corona: Israel fürchtet zweite Welle

in Israel Zwischenzeilen/Medizin & Wissenschaft

An einer Jerusalemer Schule haben sich in der vergangenen Woche mehr als 100 Schüler und Lehrer mit dem Corona-Virus infiziert. Diese und auch in den Städten Tel Aviv und Bnei Brak wieder schneller ansteigenden Infektionszahlen lassen Israelis vor einer grossen zweiten Welle fürchten. Am vergangenen Freitag und Samstag wurden jeweils 115 bzw. 121 Neuinfektionen in 24 Stunden registriert, fünf Mal höher als in den Tagen zuvor – ursprünglich hatte das israelische Gesundheitsministerium gesagt, dass bei mehr als 100 Infektionen in 24 Stunden wieder härtere Restriktionen eingeführt werden müssen.

In den letzten zwei Wochen hatten in Israel unter anderem Schulen, Einkaufszentren, Restaurants und Bars wieder geöffnet: Vor allem viele Restaurants und Bars hielten sich aber nicht an die vorgegebenen Regeln. So wurden in Tel Aviv, Haifa und Jerusalem viele Strafzettel in Höhe von 5000 NIS (etwa 1300 Euro, 1400 CHF) erteilt, weil die Tische der Restaurants zu dicht aneinander gestellt waren oder Kellner keine Masken trugen. Offizielle des Gesundheitsministeriums haben nun ausserdem bekannt gegeben, dass die Zahl der COVID-19-Infizierten unter Gastarbeitern und Flüchtlingen deutlich höher sei, als bisher angenommen: 25 Prozent ihrer Tests kämen positiv zurück, das sind deutlich höhere Raten als beim Rest der Bevölkerung. Allein in Tel Aviv leben Schätzungen zufolge 40.000 Gastarbeiter und Flüchtlinge aus den Philippinen, Indien sowie Eritrea und dem Sudan. Aufgrund ihrer prekären wirtschaftlichen und Wohnraum-Situation ist es für sie besonders schwer, die Regeln zur sozialen Distanz und Selbstisolation einzuhalten. Sie, sowie Israelis die zwar keine Symptome zeigen, aber im Kontakt mit infizierten waren, sollen künftig noch mehr getestet werden. Auch der Anti-Körper-Test, der bisher lediglich in einem Pilotprojekt im ultraorthodoxen Bnei Brak getestet wurde, soll noch breiter zum Einsatz kommen.

Währenddessen fordert der Ben-Gurion-Flughafenchef Yaakov Ganot vom Gesundheitsministerium einen Plan zur sofortigen Wiederöffnung des Flugverkehrs auf den Weg zu bringen. Er warnte vor „potentiell unwiderruflichen Schäden für die Tourismusbranche“. Bisher ist vorgesehen, den Flugverkehr mit fünf Ländern wieder aufzunehmen, in denen die Corona-Fallzahlen sehr niedrig waren: Griechenland, Zypern, Georgien, Montenegro und die Seychellen. Warum gerade diese Länder ausgewählt wurden, die sicherlich viel ausgehenden Tourismus aus Israel erfahren, aber kaum Besucher ins Land bringen – und nicht Länder wie Deutschland und Österreich – ist bisher unklar.

Die Restaurants und Cafés in Tel Aviv sind wieder gut besucht (Bild: KHC).

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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