MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

COVID-Infektionsrate sinkt weiter aber Kitas bleiben zu

in Israel Zwischenzeilen/Medizin & Wissenschaft

Eigentlich sollten in dieser Woche viele Schulen und Kindergärten in Israel wieder ihren Betrieb aufnehmen: Aber, obwohl immerhin ein paar Schulklassen ihren Betrieb wieder aufgenommen haben, lassen viele Eltern ihre Kinder weiter zu Hause. Die Öffnung von Kindergärten ist geplant, aber ob private Kindergärten (bis zum Alter von drei Jahren gibt es nur private Kitas in Israel) und Hort (der staatliche Kindergarten geht nur bis 14 Uhr) öffnen können, steht immer noch in den Sternen. Zu unklar seien die Bedingungen, unter denen in Zeiten des Corona-Virus gearbeitet werden soll, aus gesundheitlichen aber auch finanziellen Gründen (wer zum Beispiel kommt für die Kosten einer privaten Kita auf, wenn diese wegen einer Corona-Infektion wieder geschlossen werden muss). Darüber hinaus besteht die Angst, dass bei voller Öffnung der Einrichtungen, die Infektionszahlen wieder in die Höhe schnellen. Gleichzeitig ist für ein Wiederbeleben der Wirtschaft die Sicherung der Kinderbetreuung unbedingt nötig und selbst sogenannte „systemkritische“ Arbeitnehmer können sich im Moment nicht darauf verlassen, dass ihre Kinder zuverlässig betreut werden.

Kurzfilm über Tel Aviv zu Zeiten Coronas

Israelis kritisieren die Entscheidungen, was erlaubt ist und was nicht, zunehmend: So sollen Einkaufszentren wieder geöffnet werden, Strandbesuche aber weiterhin verboten sein. Die Forderungen, die israelische Wirtschaft wieder in vollen Gange zu bringen sind besonders laut, weil 80 Prozent der israelischen Städte seit Tagen keine Neuinfektionen zu verzeichnen haben. Auch Restaurants bereiten sich langsam auf eine Wiedereröffnung unter strengen Auflagen vor.

Dabei sind die Entscheidungen, die gerade getroffen werden, für manche Menschen eine schlichte Frage des Überlebens: Die Fälle häuslicher Gewalt sind mit den Ausgangssperren auch in Israel extrem angestiegen. Für viele Frauen und Kinder bedeutet ein Arbeits- und ein Kitaplatz nämlich auch Schutz.

Weitere Informationen:

Häusliche Gewalt steigt in Israel (eng), JPost

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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