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Tel Avivs vernachlässigter Süden

in Israel Zwischenzeilen/Leben, Kultur & Sport

Der Süden von Tel Aviv, vor allem die Gegend um den Zentralen Busbahnhof herum, sind schon lange bekannt für die sozial schwache Bevölkerung, viele Obdachlose, Prostitution und Drogenhandel sowie -Konsum. In den letzten ein, zwei Jahren hat sich aber vor allem die Lage um den Levinsky-Park in Neve Shaanan herum deutlich verschlimmert: Dort kampieren Dutzende Junkies, zum Teil auf Spielplätzen und in der Nähe von Schulen und Kindergärten. „Es ist eine neue Art von Junkie“ erklärt David Agaev, der als Sozialarbeiter für die Rehabilitierung von Obdachlosen und Drogenabhängigen arbeiten, „Die meisten sind auf einer der neuen und billigen synthetischen Drogen, die den Markt im Land in den letzten Jahren massiv überflutet haben.“

Die Jahre der Vernachlässigung dieser Gegenden sollen jetzt aber vorbei sein, wenn man der Tel Aviver Stadtverwaltung glaubt: Kürzlich wurde ein umfassender Entwicklungsplan genehmigt, der nicht nur mehr Wohnraum, sondern auch mehr Gewerbe und öffentliche Einrichtungen bringen soll. Es ist das erste Mal seit über zehn Jahren, dass für Neve Shaanan ein Entwicklungsprojekt geplant wird. Neve Shaanan ist ein sehr diverser, aber auch armer Stadtteil: 70 Prozent der Bewohner sind Flüchtlinge und Asylbewerber. Die Gegend ist heruntergekommen und die Kriminalität ist extrem hoch. Der Zentrale Busbahnhof, der sich mitten in dem Viertel befindet, wurde in den letzten Jahren immer mehr von sozialen Start-ups entdeckt, die an alternativen Konzepten arbeiten, um den Busbahnhof für die Bewohner attraktiver zu machen. U.a. gibt es bereits eine Urban-Gardening-Initiative auf dem Dach und mehrere Kunsteinrichtungen im Busbahnhof selbst.

Strasse unter Tel Avivs Zentralem Busbahnhof (Bild: Roi Boshi Wikimedia Commons)

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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