Die sowieso schon horrenden Lebenshaltungskosten in Israel werden im kommenden Jahr noch weiter steigen: Strom, Wasser, Telefon, Nahrungsmittel – die Liste der Dinge, die acht Jahre nach den grossen gewaltfreien Demonstrationen gegen die soziale Ungerechtigkeit im Land, teurer werden, ist lang.
Neben dem starken Dollar und Euro werden Reformen der Regierung im Energie- sowie benötigte Investitionen im Wassersektor für den Preisanstieg verantwortlich gemacht. Strom soll im kommenden Jahr bis zu 8 Prozent, Wasser 4,5 Prozent teurer werden. Auch die Steuer, die monatlich an die Stadtverwaltung gezahlt werden muss, soll um 2 Prozent ansteigen. Viele Hersteller, wie der Nahrungsmittelgigant OSEM kündigten ebenfalls höhere Preise an. In den letzten Jahren war es immer wieder zu Protesten gegen die hohen Nahrungsmittelkosten gekommen (vor allem die beiden in Israel ausserordentlich beliebten Produkte Hüttenkäse und Schokopudding hatten mit ihren hohen Preisen für Ärger gesorgt). Israelis waren über einen langen Zeitraum bei ihren Einkäufen im Supermarkt noch preisbewusster geworden und viele Supermarktketten haben daraufhin eigene, preiswertere Produktlinien eingeführt. Doch die Angst vor den Konsumenten scheint bei vielen Lebensmittelherstellern zu sinken.
Für Finanzminister Moshe Kahlon sind das, gerade in Anbetracht dessen, dass 2019 eine neue Regierung in Israel gewählt wird, besonders schlechte Nachrichten: Er kündigte bereits an, die eingeführten geringeren Zollkosten für ausgewählte Importe weiter aufrecht zu erhalten sowie sich gegen den Preisanstieg bei den Stromkosten einzusetzen. Darüber hinaus beauftragte er eine neue Kommission, zu untersuchen, wie die Lebenserhaltungskosten weiter gesenkt werden können. Für 1.000 Israelis reicht das nicht – sie haben in der vergangenen Woche erstmals im Stil der französischen „Gelbwesten“ eine Strassenkreuzung in Tel Aviv blockiert und demonstriert. Sie riefen ausserdem zu einem Boykott des Nahrungsmittelherstellers OSEM auf, woraufhin dieser ankündigte, die geplanten Preissteigerungen doch nicht realisieren zu wollen.
