Gemeinsam mit Premierminister Naftali Bennett und Umweltministerin Tamar Zandberg ist eine israelische Delegation beim Klimagipfel in Glasgow eingetroffen. Rund 120 Vertreter aus Regierung, Politik, Zivilgesellschaft, Journalismus und der akademischen sowie Geschäftswelt sollen Israels neue Klimaziele präsentieren und diskutieren.
Klimaziele, die vielen Experten im Land lange nicht weit genug gehen – vor allem im Vergleich zum Rest der Welt. Zwar hat man sich im Land, auch gegen den lange andauernden Protest von Energieministerin Karine Elharrar, endlich auf Klimaneutralität bis 2050 einigen können – bis 2030 sollen fossile Emissionen aber lediglich um 27 Prozent reduziert werden, etwa die Hälfte der 50 bis 55 Prozent Reduzierung, die sich die USA und Europäische Staaten auf die Fahnen geschrieben haben. Als eines von nur noch 25 Ländern weltweit hat Israel keinen offiziellen „Klimaschutzplan“, um mit der Klimakrise zurecht zu kommen. Israel hat kein Klimaschutzgesetz und bisher auch keinen Klimanotstand ausgerufen. Gegner des vom Umweltministeriums geplanten Klimagesetzes sind vor allem das Energie- und Finanzministerium.
In einem Interview mit der Sunday Times, sagte Premier Bennett kürzlich, dass israelische Unternehmer ermutigt werden müssen, „nicht einfach nur eine neue coole Web App zu kreieren, sondern etwas mit Bedeutung zu erarbeiten“. Er fügte hinzu, dass es in der Region „ein riesiges Potential um Partnerschaften im Energiebereich“ gäbe, „Israel ist ein sehr kleines Land, territorial gesehen, wir sind in einer Region, in der Wasser knapp ist, aber die meisten unserer Nachbarn keinen Mangel an leeren Wüsten haben und im Jahr 2021 bedeutet Platz, Energie. Und Energie bedeutet Wasser.“ Auch für Glasgow wird erwartet, dass Bennett vor allem da ist, um mit den High-Tech-Innovationen anzugeben, die Israel zum Thema beitragen kann. Was aber im Land selbst passiert, dass Israel eines der Länder ist, das von der Klimakrise am meisten betroffen ist und betroffen sein wird, dass sich die Temperatur in Israel beispielsweise doppelt so schnell erhöht wie im weltweiten Durchschnitt, dass allein in der vergangenen Woche zehntausende Israelis in Tel Aviv für einen besseren Klimaschutz im Land demonstriert haben, scheint für viele israelische Politiker bisher noch nicht dazu zu führen, dass sie einen erhöhten Handlungsbedarf spüren. Man kann nur hoffen, dass ihre Teilnahme in Glasgow das ändert.
Israels Premier Naftali Bennett und die Umweltministerin Tamar Zandberg in Glasgow