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Kibbuz Be’eri lehnt Teilnahme an Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag ab

in Israel Zwischenzeilen/Leben, Kultur & Sport

Der Kibbuz Be’eri, der am 7. Oktober Schauplatz einiger der schlimmsten Hamas-Gräueltaten war, hat die Ehre abgelehnt, bei der zentralen Zeremonie zum Unabhängigkeitstag eine Fackel anzuzünden. Die Mitglieder des Kibbuzes sind der Ansicht, dass der Schwerpunkt der Veranstaltung zu sehr auf dem Aspekt des „Heldentums“ liegt und somit nicht die Tragödie des Angriffs widerspiegelt.

In einer am Samstag veröffentlichten Erklärung teilte der Kibbuz mit, dass sein lokales Sicherheitsteam eingeladen worden war, eine der 12 Fackeln zu entzünden, die traditionell während der Zeremonie zum Auftakt der Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag entzündet werden. Das kleine zivile Sicherheitsteam des Kibbuzes war am 7. Oktober stundenlang ohne Unterstützung der Armee auf sich allein gestellt, um gegen eine überwältigende Anzahl von Terroristen zu kämpfen, die in dem kleinen Dorf wüteten. Mehr als 100 Menschen wurden in dem Kibbuz getötet – mehr als 10 Prozent der Bevölkerung – andere wurden entführt und nach Gaza gebracht; Dutzende von Häusern wurden niedergebrannt.

Das Team, so hiess es, „fühlte sich geehrt, in einer staatlichen Zeremonie das Andenken an seine im Kampf gefallenen Mitglieder und das Andenken an die Mitglieder der Gemeinde, die ermordet und aus ihren Häusern entführt wurden, zu ehren.“ Allerdings sei ihnen dann klar geworden, hiess es in der Erklärung des Kibbuzes weiter: „dass es bei der diesjährigen Fackelzeremonie nur um Heldentum gehen wird, ohne auf die Tragödie und die Vernachlässigung der [Grenzgemeinden des Gazastreifens] einzugehen, die lange Zeit vom Staat ihrem Schicksal überlassen wurden.“

Zerstörung im Kibbuz Be’eri nach dem 7. Oktober (Bild Yoav Keren /Wikimedia Commons).

Redakteurin Katharina Höftmann Ciobotaru arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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