MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

Massnahmen gegen häusliche Gewalt gebraucht

in Israel Zwischenzeilen/Leben, Kultur & Sport

Drei Frauen sind in den letzten zwei Wochen von ihren Partnern ermordet worden: Edisi Elbena in Kiryat Gat war 29 Jahre alt, als ihr Partner sie mit mehreren Messerstichen umbrachte. Vera Palacinta, 61, ist an den Folgen einer Kopfwunde gestorben, die ihr Partner ihr zufügte. Und in Haifa wurde die 31-jährliche Darya Leitel von ihrem Mann erwürgt, während die eigenen Kinder schliefen.

In allen drei Fällen gab es vor dem Mord bereits Vorfälle häuslicher Gewalt in den Familien. Im Falle von Elbena wurden die Nachbarn Abend für Abend Zeugen der Gewalt: „Jeden Tag ab sechs Uhr gab es Geschrei. Wir riefen die Polizei und ich zeigte ihnen, wohin sie gehen sollten. Aber wenn sie an die Tür klopften, öffnete niemand. Ich riet ihr mehrmals, die Polizei zu rufen, aber sie sagte nur ’später, später“, erzählt die Nachbarin Hani Abu Azizi. Sie berichtet auch, dass der Partner der Frau jeden Tag bekifft und betrunken war. Im Fall von Darya Leitel betreuten die Behörden die Familie bereits seit 2021, weil ihr Mann schon damals gewalttätig geworden war.

Das machte das Timing für die aktuellste Abstimmung über einen Gesetzentwurf zur Bekämpfung häuslicher Gewalt umso schmerzhafter: Die Abgeordneten der Koalition entschieden sich gegen den Gesetzentwurf, der ein elektronisches Überwachungssystem zur Verfolgung häuslicher Gewalttäter vorgeschrieben hätte, und lösten damit Empörung bei den Oppositionsmitgliedern und anderen aus, die sagen, das System könne helfen, Leben zu retten.

Der Gesetzentwurf, der die Durchsetzung von einstweiligen Verfügungen gegen Gewalttäter erleichtern würde, wurde in der ersten Lesung in der Knesset mit 54:53 Stimmen abgelehnt, wobei es zu verbalen Auseinandersetzungen kam, die dazu führten, dass mehrere Abgeordnete aus dem Plenum entfernt wurden.

Vor der Abstimmung wurde der Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben Gvir, von den Oppositionsmitgliedern mit „Schande“-Rufen empfangen, als er seine Rede beendete, in der er die Gesetzgeber aufforderte, die Massnahme abzulehnen, weil sie angeblich dazu führe, dass „unschuldige Männer“ verdächtigt würden. Er wolle, so Ben Gvir, ein Gesetz, das nicht nur Frauen schützt, sondern auch sicherstellt, dass Männer nicht fälschlicherweise beschuldigt und zu Unrecht gezwungen werden, ein elektronisches Überwachungsarmband zu tragen.

Die Nichtregierungsorganisation Amutat Bat Melech, die religiöse und haredische (ultra-orthodoxe) Frauen unterstützt, die unter häuslicher Gewalt leiden, reagierte mit Entsetzen auf den Beschluss: „Die Ablehnung des Gesetzentwurfs für ein elektronisches Armband ist losgelöst von der schrecklichen Realität von sieben [jetzt acht] Frauenmorden seit Anfang des Jahres. Es handelt sich um ein wirksames Instrument ersten Ranges, das Leben hätte retten und die Bedrohung von Frauen, die unter häuslicher Gewalt leiden, verringern können. Hier geht es um Leben und Tod, und es geht darum, eine Lösung zum Schutz der Frauen zu finden.“

Im vergangenen Jahr wurden in Israel 24 Frauen von gewalttätigen Ehepartnern oder Familienmitgliedern getötet, was einen Anstieg um 50 Prozent gegenüber 2021 darstellt. Der Jahresbericht der israelischen Beobachtungsstelle für Frauenmorde (IOF) stellte ausserdem fest, dass, obwohl der arabische Sektor nur 21 Prozent der Gesamtbevölkerung Israels ausmacht, 50 Prozent der im Jahr 2022 ermordeten Frauen israelische Araberinnen, was auf eine unverhältnismässige Welle geschlechtsspezifischer Gewalt in der arabischen Gesellschaft hinweist. Die drei Fälle der letzten Woche zeigen aber, dass Femizide auch in anderen Teilen der israelischen Gesellschaft vorkommen.

Ein neues Gesetz gegen häusliche Gewalt wurde kürzlich in Israel abgelehnt (Bild: Pixabay)

Redakteurin Katharina Höftmann Ciobotaru arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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