In Israel tobt dieser Tage ein Kampf, der, wie die Zeitung Haaretz aufzeigt, recht gut den Kampf zwischen „altem“ und „neuem“ Israel darstellt: Auf der einen Seite ein alter Kibbuz, Nir David, 1940 von europäischen Juden gegründet, auf der anderen Seite Bewohner der nahegelegenen Stadt Beit She’an, eine der sogenannten „Entwicklungsstädte“ im Land, in der sich in den 50er und 60er Jahre vor allem jüdische Einwanderer aus arabischen Ländern niedergelassen haben. Sie alle streiten darum, wer Recht auf den Asi hat, einen Fluss, der mitten durch den Kibbuz geht – ein Kibbuz, den nur betreten darf, wer zum Kibbuz gehört oder eine entsprechende Erlaubnis hat. Eine Ungerechtigkeit, wie die Bewohner der nahegelegen Ortschaft finden – gehöre das Wasser doch allen im Land. Die Kibbuzniks halten dagegen, dass es nun einmal in ihrem Dorf keine ausreichenden Möglichkeiten gäbe, den Fluss touristisch zu erschliessen. Sie verweisen stattdessen auf den öffentlich zugänglichen Naturpark Gan Hashlosha, der für alle nutzbar sei.
Seit Beginn des Sommers stehen nun Woche für Woche Demonstranten vor den Toren des Kibbuz und fordern Einlass. Immer wieder kommt es zu aggressiven Konfrontationen zwischen Demonstranten und Kibbuz-Bewohner. Beide Gruppen werfen einander vor, dabei ausfallend und beleidigend zu werden. Die Diskussion um den einzigen Kibbuz in Israel, durch den eine natürliche Wasserquelle führt, steht dabei aber symbolisch für eine alte Wunde: Den Konflikt zwischen Israelis europäischer Herkunft und denen orientalischer Herkunft. Dabei vergessen die Israelis, die ursprünglich aus Ländern wie Marokko, Tunesien, Algerien oder dem Jemen kamen, oft, dass die Kibbuzniks, denen es heute überwiegend wirtschaftlich recht gut geht, in den Anfangsjahren viel harte Arbeit in die Erschliessung ihres Landes stecken mussten. Die Gegend um den Fluss Asi beispielsweise war ein von Malaria geplagtes Sumpfgebiet, das erst die Pioniere in den Juwel verwandelt haben, der es heute ist. Die orientalischen Israelis halten dagegen, dass sie, die oftmals jahrelang in Zelten und Wellblechhütten, sogenannten Maabarot, leben mussten, Städte zugewiesen bekamen, die häufig zu schnell, zu chaotisch und mit einer sozial schwachen Bevölkerungsstruktur hochgezogen wurden.
Der Kibbuz Nir David hatte seine Tore übrigens erst mit der Privatisierung des Kibbuz geschlossen. Und, weil Besucher des Flusses, laut Anwohnern wenig „Rücksicht“ zeigten. Wer einmal an einem Samstagabend irgendeine öffentliche Badestelle am Jordan-Fluss besucht hat und den Dreck, der dort von Besuchern zurückgelassen wurde, von Plastikstühlen bis Wegwerfgeschirr über leere Bamba-Tüten, kann sich die Sorgen der Kibbuzanwohner wiederum sehr gut vorstellen.

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