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Corona-Krise: Israel geht in dreiwöchigen Lockdown

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Das israelische Kabinett hat in dieser Woche einen erneuten strengen Lockdown beschlossen: Drei Wochen lang dürfen sich Israelis nicht mehr als 500 Meter von ihren Wohnungen entfernen. Alle Geschäfte außer Apotheken, Drogerien und Supermärkte werden geschlossen. Restaurants dürfen nur noch liefern und müssen für Besucher genauso wie Bars, Clubs, Pools, Fitnesscenter etc. geschlossen werden. Schulen und Kindergärten werden ebenfalls geschlossen, lediglich Bildungseinrichtungen für Sonderpädagogik dürfen geöffnet bleiben. Menschenansammlungen werden auf zehn Personen (drinnen) und zwanzig (draußen) beschränkt. Synagogen müssen strenge Regeln zum Einlass von Besuchern befolgen, die sich danach richten, wo im Land sich die Synagoge befindet (rote oder grüne Zone), wie groß die Synagoge ist und wieviele Eingänge sie hat.

Der Lockdown beginnt pünktlich mit den hohen Feiertagen zu Rosh Hashana und wird sich über Jom Kippur und Sukkot erstrecken. Der ultraorthodoxe Minister für Wohnraum, Yaakov Litzman, trat aus Protest gegen den Lockdown von seinem Posten zurück: Die neuen Regelungen würden Juden davon abhalten, an den Hohen Feiertagen die Synagogen zu besuchen. Vor allem Jom Kippur, der höchste Feiertag im Judentum, bringt normalerweise viele Menschen in die Gebetshäuser. Aber auch unter den säkularen Israelis herrscht Entsetzen über die Entscheidung: Die Sorge um die wirtschaftlichen Folgen, die Wut über das Versagen der Regierung, das Virus mit anderen Mitteln einzudämmen, das Unverständnis für so viele Israelis, die sich schlichtweg nicht an bisherige Regeln wie Maskenpflicht oder Verbot von größeren Events hielten, ist riesig. Auch mehrere Chefs von großen Kliniken im Land kritisierten den kompletten Lockdown scharf: Die Krankenhäuser seien nicht überfüllt und nicht überfordert, ein Lockdown des ganzen Landes sei nicht nötig, sagten unter anderem die Direktoren des Sheba Medical Center und des Rabin Medical Center. Der Direktor des Rambam Krankenhauses in Haifa hingegen unterstützte den Lockdown.

Wie es nach den drei Wochen Lockdown weitergeht, ist noch offen. Das Kabinett gab an, die weiteren Maßnahmen im Laufe des Lockdowns beschließen zu wollen.

Eine ältere Dame sitzt in einer Arztpraxis – ihre Maske trägt sie statt im Gesicht am Kinn. Die Disziplin vieler Israelis bei der Maskenpflicht ist sehr niedrig (Bild: KHC).

Weitere Informationen:

Israel geht in den Lockdown (eng), JPost
https://www.jpost.com/breaking-news/coronavirus-2651-new-cases-on-saturday-death-toll-1103-642074

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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