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Israelische Post wird teil-privatisiert

in Israel Zwischenzeilen/Wirtschaft & Innovation

Die israelische Post hat nicht gerade den besten Ruf: Während es durchaus einige sehr engagierte Mitarbeiter gibt, vor allem diejenigen, die die sogenannten „Einschreiben“ an der Wohnungstür übergeben, sind die meisten Mitarbeiter in den Postfilialen eher für ihre Gemütlichkeit und durchaus mangelnde Hilfsbereitschaft bekannt. Das grösste Problem ist dabei nicht, dass Pakete aus Prinzip nicht nach Hause gebracht, sondern immer in der Filiale abgeholt werden, sondern vor allem, wie lange es dauert, vor allem Pakete aus Übersee zu empfangen. Selbst Postkarten sind schon einmal gute drei, vier Monate unterwegs (bei mir kam mal eine mit dem Stempel „Missent to Jakarta“ an – also zu Deutsch: fälschlicherweise nach Jakarta geschickt).

Die Behörde für staatliche Unternehmen hat nun angekündigt, dass bereits jetzt 20 Prozent der staatlichen Anteile an der Post privatisiert werden sollen und in der nächsten Phase weitere 20 Prozent. Die ersten 20 Prozent gehen an einen bisher noch unbekannten privaten Investor, der bereits jetzt im Bereich Logistik tätig ist. Die anderen 20 Prozent sollen an der israelischen Börse erwerbbar sein. „Die israelische Post ist eines der führenden Unternehmen im Portfolio der staatlichen Firmen und wird das erste, in einer ganzen Serie von Privatisierungen sein, die wir in den kommenden Wochen auf den Weg bringen werden, um den Wert für die Öffentlichkeit zu erhöhen“, erklärte Adv. Yakov (Yanki) Kvint, Direktor der Behörde für staatliche Unternehmen. „Beim Blick auf die Privatisierung der meisten Postunternehmen weltweit, sehen wir, dass diejenigen, die von einem strategisch-wichtigen Investor akquiriert wurden, effizienter, qualitativ hochwertiger werden und den Service für ihre Kunden signifikant erhöhen konnten.“

Die Post operierte jahrzehntelang mit mehr oder weniger hohen Verlusten, seit 2007 hat sich die Situation etwas verbessert und inzwischen verzeichnet das Unternehmen leichte Gewinne. 2014 gab die Post bekannt, 1.200 Mitarbeiter entlassen zu wollen, diverse Filialen wurden geschlossen und Postboten kommen nur noch zwei Mal die Woche. Immerhin bietet die Post aber inzwischen einen Service an, bei dem man über eine App Termine in der Filiale buchen kann. Die Wartezeiten sind manchmal aber oft trotz Termin nicht gering.

Eine Postfiliale im Norden Tel Avivs mit Paketstation für Selbstabholer (Grafik: Wikimedia Commons/Ori~).

Weitere Informationen:

Post wird teil-privatisiert (eng), Calcalist

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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