MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

Erster beduinischer Botschafter entsandt

in Israel Zwischenzeilen/Leben, Kultur & Sport

Das israelische Außenministerium hat den ersten beduinischen Botschafter ins Amt berufen: Ishmael Khaldi wird zukünftig den jüdischen Staat in Eritrea repräsentieren. Khaldi stammt aus dem Ort Khawaled im Norden Israels, wo er als Schafhirte aufgewachsen ist. Später studierte er Politikwissenschaften und Internationale Beziehungen in Haifa und Tel Aviv. Er diente bei den israelischen Streitkräften, u.a. als politischer Analyst. Sein Projekt „Wander und lerne mit den Beduinen in Galiläa“, in dessen Rahmen er tausenden jungen jüdischen Israelis Einblicke in das Leben der Beduinen gab, inspirierte ihn, in den diplomatischen Dienst zu gehen. Er arbeitet seit 2004 für das Außenministerium, zuerst als Vize-Konsul in San Francisco, danach in der Londoner Botschaft und später als Berater des damaligen Außenministers Avigdor Liberman.

Ishmael Khaldis Entsendung ist nicht unumstritten: Der beduinische Israeli war mehrmals im Außenministerium aufgefallen: 2015 schrieb er in einem Facebook-Post, dass manche Israelis Araber mehr hassen, als „Antisemiten Juden hassen“, 2017 wurde er verwarnt, als er drohte, Israel vor den internationalen Gerichtshof zu bringen und die israelische Behörde für Land und Boden beschuldigte, ethnische Säuberungen in beduinischen Dörfern durchzuführen, nachdem diese beschlossen hatte, den Erwerb von Land in solchen Orten auch für Nicht-Einheimische zu erlauben. Erst im vergangenen Monat
hatte Khaldi eine Beschwerde gegen die israelische Polizei eingereicht, weil diese ihn angeblich am Jerusalemer Busbahnhof niedergeschlagen hätte.

Israel unterhält seit 1993 diplomatische Beziehungen mit Eritrea, die aufgenommen wurden, als der damalige eritreische President Isaias Afewerki für medizinische Behandlungen ins Land kam. Aufgrund von Israels engen Beziehungen zu Äthiopien (das wiederum lange in einem bewaffneten Konflikt mit seinem Nachbarland Eritrea stand) und der Tatsache, dass viele illegale Flüchtlinge in Israel aus Eritrea stammen, sind diese Beziehungen durchaus eng und von Bedeutung, wenn auch alles andere als unkompliziert.

Ishmael Khaldi ist Israels erster Botschafter beduinischer Herkunft (Bild: By Metallurgist – Own work, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11909818).

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

Die neusten Artikel von Israel Zwischenzeilen

Nach Oben