MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

Aliyah-Ministerium fälscht Erfolgsgeschichten

in Israel Zwischenzeilen/Leben, Kultur & Sport

Auf seiner Facebook-Seite zeigt das Ministerium für Einwanderung und Absorption gerne Bilder von lächelnden Einwandern, die von ihrem erfolgreichen Leben in Israel berichten – einziges Problem: Wie eine Recherche der israelischen Zeitung Times of Israel nun ergab, sind nicht nur die Bilder Stock-Fotos, auch die Geschichten und Einwanderer sind nicht echt. Das Ministerium hat bereits bestätigt, dass alle dargestellten Erfolgsgeschichten komplett fiktiv waren und diese Posts von seiner Facebook- und Twitter-Seite entfernt.

Seit Anfang des Jahres hatte das Ministerium mindestens zehn solcher Fotos in Zusammenarbeit mit einer externen PR-Agentur in sozialen Medien veröffentlicht. Insgesamt hat das Ministerium ein Budget von 141.000 USD für Pressearbeit, mit deren Hilfe für die Einwanderung nach Israel geworben werden soll. Die jüdische Einwanderung, genannt Aliyah, ist nur für Menschen mit mindestens einem jüdischen Grossvater oder -mutter möglich. Eine andere Einwanderung ist mit einem israelischen Partner möglich, wird aber finanziell nicht vom Staat unterstützt. Jüdische Einwanderer erhalten ein Begrüssungsgeld und werden in den ersten Monaten finanziell unterstützt (je nach Familienstatus und Anzahl der Kinder). Daneben gibt es Vergünstigungen bei der Kinderbetreuung, kostenlose Sprachkurse etc. Die sogenannten Olim zahlen ausserdem eine reduzierte Einkommenssteuer (bzw. wenn das Einkommen im Ausland generiert wird, gar keine Einkommenssteuer).

Seit Anfang des Jahres sind etwa 28.000 (jüdische) Neueinwanderer nach Israel gezogen. Nicht alle von ihnen bleiben aber auch im Land: Kulturelle Unterschiede, Sprachbarrieren, die hohen Lebenskosten oder Probleme bei der Jobsuche erschweren das Leben in der neuen Heimat.

„Aliya zu machen, war kein einfacher Prozess, aber trotzdem war es die Schwierigkeiten wert“, erzählt dieser Einwanderer aus England – die Geschichte ist jedoch komplett ausgedacht (Bild: Screenshot Twitter Ministerium für Einwanderung und Absorption).

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

Die neusten Artikel von Israel Zwischenzeilen

Jerusalem: Kunst im Schatten

Schon seit einigen Jahren scheint Tel Aviv das unangefochtene Zentrum zeitgenössischer israelischer
Nach Oben