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Mehr Juden aus verlorenen Stämme kommen nach Israel

in Israel Zwischenzeilen/Leben, Kultur & Sport

Es war eine ganz besondere Landung am Ben Gurion Flughafen in Tel Aviv: 252 Mitglieder des „verlorenen Stamms“ der Bnei Menashe sind aus Nordost-Indien nach Israel eingewandert. Die Neueinwanderer sind mithilfe des Ministeriums für Aliyah und Integration sowie der Organisation Shavei Israel ins Land gekommen – hier leben bereits 3.000 Mitglieder der Gemeinde. Weitere 7.000 warten in Nordost-Indien darauf, dass sie ebenfalls immigrieren dürfen.

Bnei Menashe bei einer kurzen Begrüssungszeremonie am Tel Aviver Flughafen, bevor sie in die vorgeschriebene Corona-Quarantäne gehen mussten (Bild: Eleonora Shiluv/Courtesy of the Ministry of Aliyah and Integration).

Die Geschichte der Bnei Menashe ist mehr als faszinierend: Sie wurden zur Zeit des Assyrischen Reichs ins Exil geschickt. Ihre Nachkommen wanderten jahrhundertelang durch Zentralasien bis in den Fernen Osten, bevor sie sich im heutigen Indien an der Grenze zu Burma und Bangladesch niederliessen. Während all dieser Zeit haben sie sich Rituale erhalten, die bekannt klingen: Lieder, in denen Jacob oder eine Teilung des Meeres besungen werden; für eine Woche pro Jahr wird kein Weizen gegessen und die Söhne werden beschnitten – in einer Gegend, in der diese Praxis völlig unbekannt ist. Im Jahr 2005 wurden die Ansprüche der Bnei Menashe durch den damaligen Hauptrabbiner der Sepharden, Israel Shlomo Amar, anerkannt: als gesetzmässige Nachkommen und Überlebende des Stammes von Menasse seien die Menschen berechtigt, Israel nach dem Gesetz der Rückkehr zu betreten. Voraussetzung ist allerdings, zum Judentum überzutreten, um als religiös jüdisch zu gelten.

Rabbi Michael Freund von der Organisation Shavei Israel begleitet die Einwanderer seit Jahren: „Wie jede Immigrantengruppe stehen sie vor Herausforderungen und Schwierigkeiten und manche bewältigen diese besser als andere, aber alles in allem sehen wir hier eine grosse Erfolgsgeschichte. Es ist sehr wichtig für diese Menschen, mit harter Arbeit genug Essen auf den Tisch zu bekommen.“ Viele der Bnei Menashe arbeiten in High-Tech-Fabriken im Norden des Landes. Andere sind als Krankenpfleger, Zahnreinigungskräfte, Sozialarbeiter oder Rabbis tätig. Vor allem die junge Generation dient in der Armee und viele studieren in Universitäten im Land.

Redakteurin Katharina Höftmann Ciobotaru arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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