MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

Schuljahr beginnt mit Protesten und angedrohten Streiks

in Israel Zwischenzeilen/Leben, Kultur & Sport

„Wir erhalten nur selten die Chance, mehr über das Leben anderer zu lernen, über andere Ansichten und das, was andere glauben. Wir haben noch immer einen weiten Weg vor uns, um ein tieferes Verständnis zwischen den verschiedenen Teilen der israelischen Gesellschaft herzustellen und echte gleichberechtigte Möglichkeiten für alle israelischen Kinder zu schaffen“, mit diesen Worten wünscht Israels Präsident Reuven Rivlin den über 2 Millionen Schulkindern in Israel einen guten Beginn nach den Ferien. 170.000 von ihnen sind ABC-Schützen. Sie alle besuchen eine der insgesamt 26.000 Bildungseinrichtungen im Land.

Ein weitreichender Streik des Lehrerpersonals (etwa 200.000 Lehrer und Mitarbeiter kümmern sich um die Schüler im Land) konnte im letzten Moment durch die Zusage von höheren Gehältern verhindert werden. An mehreren Schulen wurde zum Beginn des Schuljahres jedoch gegen die Abschiebung von Kindern philippinischer Eltern demonstriert – die israelische Regierung hat im grossen Stil die Ausweisung von Gastarbeitern, deren Visum abgelaufen ist und ihren meist in Israel geborenen Kindern angewiesen. Mehr als 100 Gastarbeiter wurden bereits verhaftet, darunter viele Familien. Erst in der vergangenen Woche wurde eine Familie verhaftet und ihre Abschiebung angewiesen: Die philippinischen Eltern leben seit 20 Jahren in Israel, ihre beiden Kinder (13 und 10 Jahre alt) wurden in Israel geboren und gingen in Tel Aviv zur Schule. Das israelische Gesetz sieht vor, dass weibliche Gastarbeiterinnen ihre Kinder im Falle einer Schwangerschaft nach der Geburt in ihr Heimatland schicken müssen, wenn sie ihr Visum für Israel erneuern wollen.
Philippinische Gastarbeiter sind in Israel vor allem in der Altenpflege tätig. Insgesamt arbeiten aktuell etwa 60.000 Pfleger (vor allem Frauen) aus Ländern wie den Philippinen, Indien, Moldawien und Nepal in Israel.

Zu den Protesten gegen die Abschiebungen, die vor allem an Schulen in Tel Aviv und Ramat Gan stattfanden, passt dann auch wieder das vom israelischen Bildungsministerium für dieses Schuljahr ausgegebene Motto: „Gegenseitige Verantwortung und das Stärken von Werten.“

Protestplakat gegen die Abschiebung von Kindern von Gastarbeitern (Bild: Avi Lubin).

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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