MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

Start-ups in Baubranche boomen

in Israel Zwischenzeilen/Wirtschaft & Innovation

Allein in diesem Jahr sind bereits zwanzig Bauarbeiter auf Baustellen in Israel bei Arbeitsunfällen gestorben, 2018 waren es insgesamt 38. Wenn man sieht, wie schlecht Baustellen, Baugerüste und schwere Baumaschinen zum Teil gesichert sind, wundert das kaum. Es scheint, dass es nicht genügend Regelungen bzw. nicht genügend Massnahmen zur Sicherstellung, dass Regeln eingehalten werden, gibt. Immerhin gibt es seit 2018 die spezielle Polizeieinheit Peles, die bei tödlichen Arbeitsunfällen ermittelt und gemeinsam mit einer vom Ministeriums für Arbeit und Wohlfahrt eingerichteten Arbeitsgruppe für Sicherheit am Arbeitsplatz an der Verbesserung der Situation arbeitet.

Wie so oft in Israel ist es aber die Start-up-Branche, die den erhofften Durchbruch verschaffen könnte: Die Zahl der Start-ups hat sich in den letzten fünf Jahren um 244 Prozent erhöht. Von den mehr als 100 neuen Firmen, die sich Innovation in der Baubranche bemühen, sind viele daran interessiert, Baustellen sicherer zu machen: „Heute erlauben neue Technologien unglaubliche Entwicklungen, die die Effizienz in dem ansonsten noch sehr traditionellen Bausektor erhöhen und dabei helfen, Sicherheitsprobleme zu bewältigen, die eine der grössten Sorgen in der Branche sind“, erklärt Mickey Steiner, der Direktor des Innogy hubs in Israel.

Unter anderem gibt es das Start-up Airobotics, das mit einem Drohnensystem Aufgaben wie Inspektion und Instandhaltungschecks übernehmen kann, ohne das sich dafür ein Mensch in Gefahr bringen muss. Eine andere Innovation hat das Start-up Smartsite entwickelt: Hier soll ein Gerät die Arbeitsbedingungen für Bauarbeiter überwachen und darauf aufmerksam machen, falls die Arbeiter zu lange arbeiten oder zu viel UV-Strahlung, Lärm oder Staub ausgesetzt sind.

Smartsite System schützt Bauarbeiter

In Israel wurden 2018 insgesamt mehr als 200 Millionen US-Dollar in Start-ups aus der Baubranche investiert, auch solche die sich nicht direkt mit der Sicherheit auf den Baustellen auseinandersetzen. In den letzten zehn Jahren hat der sogenannte PropTech-Bereich Investitionen von mehr als einer Milliarde US-Dollar gesehen. Daneben hat die israelische Builders Association gemeinsam mit der Regierung das Programm CONTECH auf den Weg gebracht, mit dessen Hilfe noch mehr neue Technologien für die Branche entwickelt werden sollen und die Sicherheitsstandards hoffentlich verbessert werden können.

Ein Mann bedient eine Drohne über einer Baustelle in Tel Aviv (Bild: KHC).

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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