MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

Erstmals zwingt ein israelisches Gericht Eltern zum Impfen

in Israel Zwischenzeilen/Medizin & Wissenschaft

Erstmals hat ein israelisches Gericht verfügt, dass Eltern eines einjährigen Sohnes in Hadera ihr Kind impfen müssen. Das Kind war nach einer Verbrennung am Fuss von einem Arzt behandelt worden, der die Eltern auf den fehlenden Impfschutz hinwies und sie aufforderte, das Kind gegen Tetanus impfen zu lassen. Als die Eltern sich weigerten, informierte der Arzt das Gesundheitsamt und der Fall kam vor Gericht. In der Gerichtsverhandlung präsentierten die Eltern eine Erklärung ihres Hausarztes, der als heftiger Impfgegner bekannt ist. Die Eltern argumentierten, dass sie Nebenwirkungen der Impfung befürchteten.

Der Richter entschied jedoch gegen den Willen der Eltern: „Ich ignoriere die Einstellung der Eltern und ihr Recht für ihren Sohn Entscheidungen zu treffen nicht (…) Ich habe den Eindruck, dass wir hier gute Eltern sehen, die sich um ihren kleinen Jungen kümmern und die glauben, dass ihre Handlungen zu seinem Vorteil sind. Aber in diesem speziellen Fall, im Zuge der Verletzung, die der Junge erlitten hat, denke ich, dass die Vorteile der Impfung die Risiken überwiegen…“. Sollten die Eltern dem Urteil nicht nachkommen, ordnete der Richter an, dass die Entscheidung mit polizeilicher Hilfe durchgesetzt werden könne.

Bisher waren in Israel nur Fälle bekannt, in denen sich getrennte Eltern vor Gericht um die Handhabung der Impfung ihrer Kinder unter dem geteilten Sorgerecht stritten.

Für die einen ein kleiner Pieks, der Leben rettet – für die anderen Teufelswerk: Impfungen.

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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