MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

Dieses Start-up kann Trends erkennen

in Israel Zwischenzeilen/Wirtschaft & Innovation

Kennen Sie das auch? Sie lesen einige Bewertungen online – für ein Produkt, Restaurant oder eine Dienstleistung – und selbst wenn 8 Bewertungen gut sind, eine richtig schlechte reicht, um Zweifel an der Qualität zu wecken. Das Tel Aviver Start-up Zencity Technologies Ltd. widmet sich genau diesem Phänomen für die Arbeit von Stadtverwaltungen: Es bietet eine umfangreiche Analyse vom Diskurs in sozialen Netzwerken, Kommentaren auf Webseiten, die von der Stadtverwaltung betrieben werden, Anrufe bei der Hotline der Stadtverwaltung, und Instagram-Fotos. Dabei steht die Frage: „Was wollen die Menschen wirklich?“ im Mittelpunkt.

Hintergrund ist die Idee, dass die Leute, die dagegen sind oder Kritik an Projekten der Stadt haben, oft viel lauter sind als die schweigende Mehrheit, die im Zweifel für das Projekt sind. Vor allem in sozialen Medien, wo hasserfüllte Posts öfter geteilt werden und mehr Aufmerksamkeit bekommen, gilt es ganz genau hinzuschauen. Dafür nutzt Zencity einen Algorithmus, der die gesammelten Daten so analysiert, dass daraus praktische Schlussfolgerungen gezogen werden können. Daten können in fünf Sprachen analysiert und so kann die Technik auch in Städten mit sehr diverser Bevölkerung genutzt werden. Die gesammelten Daten werden in 86 Subthemen unterteilt, je nach Fragen der Stadtverwaltung, so kann es um Verkehr oder Bauprojekte gehen. Zencity arbeitet mit 45 Mitarbeitern bereits für 70 verschiedene Städte weltweit (15 davon in Israel), um die dringendsten Fragen zu Stadtentwicklungsprojekten u.ä. zu beantworten.

Als im amerikanischen Aurora ein schweres Feuer in einem Unternehmen mehrere Mitarbeiter tötete, wurde die Software sogar genutzt, um alle Daten, Zeugenberichte etc., die es zu dem Fall online gab, zu sammeln und der Polizei zur Verfügung zu stellen. Danach stellte Zencity der Stadtverwaltung sämtliche Informationen über geplante Spenden- und Trauerveranstaltungen zur Verfügung, damit die Stadt diese unterstützen konnte.

Die Facebook-Seite der Tel Aviver Stadtverwaltung (Bild: Screenshot).

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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