MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

„Jeder wird wissen, wer Stephane Legar ist“

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In diesem Sommer gab es in Israel wohl niemanden, der nicht mindestens einmal beim Hit „Comme Ci Comme ça“ mitgesummt hat. Der eingängige Song von Stephane Legar über seine Heimat Israel, über die Dinge, die hier wunderbar laufen und die, die manchmal nicht so gut klappen, hat einen Nerv im Land getroffen. Sein Hit, der auch Titelsong für eine riesige Werbekampagne des Satellitenfernsehanbieter YES war, hat Stephane Legar schlagartig in ganz Israel berühmt gemacht. Wir haben ihn zum Interview getroffen…

Von Katharina Höftmann

Stephane Legar ist ein Popstar, wie es ihn in Israel noch nie gab. Und nein, das liegt nicht an seiner dunklen Haut, die er seinen Eltern zu verdanken hat, die ursprünglich aus dem afrikanischen Togo stammen. Sondern daran, dass man, wenn man Stephane zum ersten Mal sieht, wie er tanzt, wie er auf der Bühne agiert, vor allem aber auch, wie er sich kleidet, nicht glaubt, dass dieser offensichtliche Megastar aus Israel stammt. Bei seinem Treffen mit dem israelischen Präsidenten Reuven Rivlin vor wenigen Wochen trug Stephane dann auch stilecht einen feuerroten Anzug, protzigen Schmuck und eine riesige glitzernde Sonnenbrille, seinen Afro hatte er in breite Cornrows geflochten. Legar ist so schillernd, so anders, als die israelischen Sänger, die man kennt, dass man ihn automatisch eher in Städten wie New York oder London verortet. Auch seine Musik, ein Mix aus Pop, Dance und Hip Hop mit afrikanischen Einflüssen ist neu im Land und wenn er dann noch tanzt, kraftvoll, athletisch mit einem Hauch von Michael Jackson, weiß man, dass Stephane Legar das Zeug zu einem echten Star hat.

Stephane Legar bei seinem Treffen mit Nechama und Reuven Rivlin, dem israelischen Präsidenten (Bild: Mark Nayman).

Am meisten glaubt daran Legar selbst. Zwar wurde er bereits mit 16 Jahren als Model entdeckt und lief seine erste große Show für das israelische Label CASTRO, aber der Weg vom Background-Tänzer zum Popstar war für den mittlerweile 20-Jährigen nicht immer einfach: „Ich verfügte zwar schnell über ein großes Netzwerk, aber die wenigsten Agenturen oder Produzenten verstanden, wer ich war und was ich machen wollte. Ich war anders, als alles, was sie kannten.“ Dieses „Anderssein“ hatte in seiner Kindheit immer mal wieder dazu geführt, dass Legar ausgegrenzt wurde, er kennt wohl alle rassistischen Schimpfwörter, die es im Hebräischen für Dunkelhäutige gibt. Doch Legar begriff früh, dass dieses „Anderssein“ noch einmal sein großer Vorteil werden würde. Wobei sich Legar selbst wohl kaum israelischer fühlen könnte: „Klar, bei uns zu Hause wurde französisch gesprochen, es liefen internationale Fernsehsender und Musik von der Elfenbeinküste und meine Eltern legten mehr Wert auf Höflichkeit und Respekt als andere israelische Eltern, aber für mich war immer klar, dass ich in Israel zu Hause bin. Egal, wohin ich reise, wenn ich zurück nach Hause komme, ist das immer ein ganz besonderes Gefühl. Ich liebe diese Freiheit hier, diesen israelischen Way of Life.“

Immer positiv bleiben

Dieses besondere Gefühl, Israeli zu sein, wollte er Leuten näher bringen und so entstand nach Liedern auf Englisch und Französisch, die er immer gemeinsam mit größeren israelischen Stars sang, sein erster eigener Song auf Hebräisch. Wobei „Comme Ci Comme ça“ natürlich nicht wirklich nur Hebräisch ist, sondern ein unterhaltsamer Mix aus Französisch und Hebräisch, bei dem man alles versteht und trotzdem das Gefühl hat, ein Lied von Welt zu hören. Auch der Nachfolger „Merci“ hält sich an dieses Erfolgsrezept. Und während andere israelische Sänger davon singen, wie man möglichst viele Frauen ins Bett bekommt, singt Legar vom Leben und davon, immer positiv zu bleiben.

In Israel müssen fast alle jungen Leute zum Militär – auch erfolgreiche Sänger wie Stephane Legar (Bild: IDF Presse).

Wenn man Legar kennenlernt, ist es genau diese positive Art, eine gewisse Leichtigkeit, die an ihm auffällt. Beim Interview trägt er Uniform, weil der 20-Jährige wie fast jeder 20-Jährige in Israel natürlich noch mitten in seinem Militärdienst steckt: Allerdings ist Legar, wie viele Schauspieler, Musiker und Tänzer, in einer besonderen „Künstler-Einheit“, diese Einheit ermöglicht es ihm, dass er trotz Militärdienst mehrer Shows täglich spielen und an einem neuen Album arbeiten kann. Sein erstes eigenes Album soll zuallererst in Frankreich erscheinen. Dass der Markt dort einfach größer ist und ihm somit noch mehr Möglichkeiten eröffnet, weiß Legar ganz genau. Überhaupt ist die Zielstrebigkeit, mit der er schon immer an seiner Karriere gearbeitet hat, beeindruckend: Seine erste sogenannte Tanzchallenge „Step Fun“ (abgeleitet von seinem Vornamen) war 2017 so erfolgreich, dass sie ihm schnell eine knappe Million Views bei Youtube und Instagram verschaffte, bis dato haben das Tanzvideo mehr als 10 Millionen Menschen gesehen. „Am Anfang war die Musik, die ich machte eher der Hintergrund, den ich für meine Tanzvideos brauchte, doch dann interessierte ich mich immer mehr für die Musik, man schreibt die Songs, komponiert, produziert – man entwickelt ständig neue Dinge.“ Das Tanzen bleibt aber ein wesentlicher Bestandteil seiner Konzerte, bei denen es immer hoch hergeht.

Im Sommer hat Legar bis zu fünf Shows pro Tag in ganz Israel gemacht, mittlerweile sind es „nur“ noch zwei oder drei. Die vielen Konzerte haben ihn vor allem bei Teenagern und Kindern im Land zum Mega-Popstar gemacht. Doch Legar hat noch lange nicht das Gefühl, alles erreicht zu haben: „Vor zwei Jahren habe ich auf meine To-Do-Liste geschrieben: ‚In ein paar Jahren wird jeder wissen, wer Stephane Legar ist‘ und vor ein paar Tagen war ich beim israelischen Präsidenten eingeladen, ich glaube, dass mich mein Optimismus, meine positiven Gedanken hier hergebracht haben, wo ich jetzt bin.“ Wer Legar erlebt, ob auf der Bühne oder in seinem Tanzstudio in Rishon LeZion, ahnt, dass der junge Israeli noch viel vorhat und zweifelt keine Sekunde daran, dass er seine Ziele erreichen wird.

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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