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Tel Aviv will rücksichtslosen Radfahrern ans Portemonnaie

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Ein typisches Tel Aviv-Erlebnis ist, wenn man über die Dizengoff flaniert und dann, während man auf ein Schaufenster zusteuert, fast von einem Elektrorad umgefahren wird. Tel Aviv ist nicht unbedingt das, was man ein Paradies für Velofahrer nennen würde: Es gibt kaum Radwege und auf der Strasse haben die wenigsten Autofahrer Verständnis für Radler auf ihren Spuren. Aber weil fast das ganze Jahr über Fahrradwetter ist, Parkplätze rar und die öffentlichen Verkehrsmittel manchmal doppelt so lange brauchen, fahren trotzdem viele Tel Avivis Velo. Verstärkt wurde dieser Trend noch durch die grünen Leihräder „Tel-o-Fun“, die man jetzt an fast jeder Ecke für wenig Geld ausborgen kann.

Viele Velofahrer weichen aufgrund der mangelnden Infrastruktur auf die Gehwege aus, was vor allem, seitdem immer mehr Elektroräder durch die Stadt rasen, für Fussgänger äusserst gefährlich sein kann – damit soll jetzt, wenn es nach der Stadt geht, Schluss sein. Seit 1. Mai setzte die Polizei nun die bereits bestehenden Gesetze durch und das Radeln auf dem Gehweg wird mit Bussgeldern von bis zu 1.000 NIS (ca. 230 Euro, 260 CHF) bestraft.

Wo ein Fahrradweg ist, machen die Strafen Sinn – aber was, wenn weit und breit keine Spur für Velos zur Verfügung steht? (Bild: Katharina Höftmann)
Wo ein Fahrradweg ist, machen die Strafen Sinn – aber was, wenn weit und breit keine Spur für Velos zur Verfügung steht? (Bild: Katharina Höftmann)

Abgesehen vom Fahren auf dem Bürgersteig soll aber auch das Überqueren bei rot, Fahren entgegen der Fahrtrichtung sowie die Benutzung von Mobiltelefonen geahndet werden. Neben Geldstrafen darf die Polizei auch Luft aus den Reifen lassen und Batterien von Elektrorädern konfiszieren. In einer Demonstration Ende April kamen bereits mehr als 500 Velofahrer zusammen, um gegen die neue Handhabung und für mehr Radwege zu demonstrieren.

Mit dem Fahrrad durch Tel Aviv – ein Hindernisspiel

Weitere Informationen:

Tel Aviv will Radfahren besser regulieren (englisch), Globes, 17.04.16

Redakteurin Katharina Höftmann Ciobotaru arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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