Öffentlich-private Partnerschaften sind weltweit beliebt, um die oft angespannten öffentlichen Haushalte von Kommunen und Städten zu entlasten. Wie in den USA üblich, spielt die Finanzierung öffentlicher Anliegen aus privaten Mitteln auch in Israel eine grosse Rolle. Seit der Gründung des Nahost-Staates haben jüdische und nicht-jüdische Philanthropen aus der ganzen Welt Milliarden für Projekte im Land gespendet. Ob Krankenwagen, Museumsflügel oder Spielplatz – die Schilder und Tafeln mit den Worten „Donated by“ oder „in Memory of“ sind aus Israel nicht wegzudenken…
Von Katharina Höftmann
Für den israelischen Film „Sallah Shabati“ hat Drehbuchautor Ephraim Kishon schon 1964 eine bezeichnende Szene geschrieben: Neueinwanderer und Kibbuzniks pflanzen ein paar Bäume auf einem kahlen Feld, als auf einmal ein Herr im Anzug ein Schild mit den Worten „Simon Birnbaum Wald. New York U.S.A.“ in den trockenen Boden hämmert. „Mein Freund, ich stelle ein Schild für den Herrn auf, der das Geld für diesen Wald gegeben hat“ erklärt der Anzugsträger dem Neueinwanderer Sallah Shabati. Die grosszügigen Spender kommen in einem noblen Auto angefahren. Gucken begeistert und düsen, nachdem sie ein paar Fotos gemacht haben, zufrieden wieder ab. Der Anzugträger kehrt zurück, zieht das Schild aus dem Boden und stellt ein neues auf. „Mrs. Pearl Sonnenschein Wald. Detroit, U.S.A.“ Dazu erklärt er: „Es ist Urlaubssaison. Jeder will seine eigene Tafel.“
Ein Grossteil der Spenden amerikanischer Juden geht nach Israel
Spenden für Israel haben eine wesentliche Rolle im Aufbau und der Entwicklung des Staates gespielt. Ob in Kriegen, in denen es ums Überleben des Landes ging (allein die New Yorker Spender haben im Jom Kippur-Krieg 150 Millionen Dollar für Israel gegeben) oder in Zeiten, in denen das kleine Land mit Einwanderungswellen zu kämpfen hatte. Auch heute noch machen die Spenden für Israel laut eines Berichtes des Magazin Forward einen Grossteil (38 Prozent) der Spenden jüdischer Philanthropen (2014 insgesamt rund 26 Milliarden Dollar) aus. Das meiste Geld geht laut einer Studie der Brandeis Universität an zionistische, Wohlfahrts- und Bildungsorganisationen.

Rund die Hälfte aller Spenden für israelische Vereine und Nicht-Regierungsorganisationen kommt von amerikanischen Juden. Und auch wenn die Spendenbereitschaft in den letzten Jahren etwas zurückgegangen ist – nach wie vor, scheint sich das Land auf die grosszügigen Privathilfen zu verlassen. Wie das konkret aussieht und dass grosszügige Hilfe manchmal auch aus Deutschland und der Schweiz kommt, kann man an Projekten wie dem Zentrum für gehörbehinderte Kinder „MICHA“ in Jerusalem sehen.
„Nur so können wir als Gesellschaft und Stadt erfolgreich sein“
Zur Eröffnung des neuen Gebäudes im April 2015 ist neben Spendern, Mitarbeitern und Kindern auch der Jerusalemer Bürgermeister Nir Barkat gekommen: „Heute und hier umarmen wir Kinder, die besondere Herausforderungen bewältigen müssen. Nur so können wir als Gesellschaft und Stadt erfolgreich sein“, erklärte Barkat bei strahlendem Sonnenschein und bezieht sich dann auch auf die acht Stufen des Gelehrten Rabbi Rambam (Maimonides): „Diese privat-öffentlichen Partnerschaften sind wie die höchste Stufe der jüdischen Spendenkultur: Es wird gegeben, damit die Betroffenen auf eigenen Füssen stehen können.“

Im Falle des MICHA-Zentrums, das es seit 1969 gibt und das sowohl arabisch als auch hebräisch-sprechende Kinder fördert, mussten alle Beteiligten viele Jahre auf ein neues, modernes Gebäude und die entsprechende Ausstattung warten. So erklärt Samach, eine der Mitarbeiterinnen in dem Zentrum lachend: „Ich habe vor 14 Jahren bei MICHA angefangen und damals hiess es, wir ziehen bald in das neue Gebäude. Heute ist der Tag endlich gekommen.“ Möglich geworden ist der Bau, der etwa 5 Millionen Dollar gekostet hat, vor allem auch durch Spenden aus Deutschland, Liechtenstein und der Schweiz, die von der Jerusalem Foundation gesammelt wurden. In diesen Ländern kommt das Geld oft von anonymen Spendern oder eigens eingerichteten Stiftungen. Gerade zwischen Deutschland und Israel gibt es zudem viele Kooperationen, die staatlich gefördert werden.

Doch private Spenden aus der Schweiz oder Deutschland scheinen insgesamt eine untergeordnete Rolle in Israel zu spielen. Und so ist es auch kein Wunder, dass es (trotz der vielen Statistiken die gerade zum Verhältnis Deutschland-Israel existieren) keine Statistik oder Studie, wieviel Geld aus Deutschland oder der Schweiz für Israel gespendet wird, gibt.
Für die Kinder, die im MICHA-Zentrum lernen und gefördert werden, spielt es sowieso eine untergeordnete Rolle, wo das Geld für das neue Gebäude herkommt. Sie geniessen den fantastischen Ausblick auf den Berg Zion, den sie von ihren Spielräumen aus haben und freuen sich sichtbar über all den Platz und das neue Spielzeug.
Weitere Informationen:
- Die jüdisch-amerikanische Spendenindustrie (englisch), Forward, 24.03.14
- Studie der Brandeis Universität über Spenden für Israel (englisch), April 2012
- Webseite des Zentrums für gehörbehinderte Kinder „MICHA“ (englisch)