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Aussergewöhnliches Künstlerhaus soll abgerissen werden

in Israel Zwischenzeilen/Leben, Kultur & Sport

Israelische Behörden wollen den einzigen Bewohner des Eremiten- und Künstlerhauses, das in einer Klippe am Meer in Herzliya gebaut wurde und als einzigartiges Kunstwerk gilt, vertreiben, um eine Promenade zu bauen. Das zumindest behauptet die Zeitung Haaretz, die Kenntnis von einem solchen Projekt erhalten hat: „In der Öffentlichkeit wurde kein Zusammenhang zwischen der geplanten Räumung und dem Bauvorhaben erwähnt. Aber zwei scheinbar unabhängige Nachrichtenartikel, die in den letzten zwei Wochen veröffentlicht wurden, zeichnen ein klares Bild.“, heisst es in dem Artikel.

Das besondere Strandhaus wurde in den letzten fünf Jahrzehnten von dem mittlerweile 78-jährigen Nissim Kahlon in die Felsen gebaut. Er wurde vom Umweltschutzministerium aufgefordert, das in einer Höhle gebaute Haus bis zum 17. Juni zu verlassen. Das Ministerium und die israelische Landbehörde drohten, ihn notfalls mit Gewalt zu entfernen. Anschliessend soll die Höhle und die von ihm in den Felsen gehauenen Kammern versiegelt werden. Kurz danach wurde bekannt, dass der Planungs- und Bauausschuss des Bezirks Tel Aviv einen Plan zur Gestaltung der Strandpromenade von Herzliya endgültig genehmigt hat. In einer Erklärung der Planungsverwaltung des Innenministeriums, die den Bezirksausschuss beaufsichtigt, hiess es, dass der Plan „einen sechs Kilometer langen Strandstreifen regelt und die entlang seiner Länge zulässigen Nutzungen festlegt, darunter Sport, Handel und Rettungsdienste“. Vermutlich geht es bei diesem Plan nicht nur darum, eine touristisch attraktive Strandpromenade zum Schütz der Küstenlandschaft zu bauen, sondern auch das Land um diese Promenade herum zu attraktiven Bauland zu machen.

Herzliyas Bürgermeister, Moshe Fadlon, kämpft gegen die Entscheidung zum Abriss und hat die UNESCO gebeten, das Eremitenhaus als Touristen- und Naturschutzgebiet zu deklarieren: „Dies ist ein einzigartiges Umweltkunstwerk, das sich nur schwer mit Worten beschreiben lässt. Es ist äusserst wichtig, das Bewusstsein für diese Stätte zu schärfen und sie zu erhalten und gleichzeitig die Zahl der Besucher zu erhöhen“, schrieb Fadlon.

Das Künstlerhaus am Strand von Herzliya soll abgerissen werden (Bild: (WT-de) Jpatokal auf Englisch Wikivoyage).
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Redakteurin Katharina Höftmann Ciobotaru arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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