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Lebenszeichen von Geiseln, Hoffnung auf Deal

in Israel Zwischenzeilen/Leben, Kultur & Sport

Wie der Nachrichtensender Channel 12 berichtete, haben einige Familienmitglieder von Geiseln kürzlich Lebenszeichen von ihren Angehörigen erhalten, die noch immer von der Hamas in Gaza gefangen gehalten werden. Der Bericht enthielt weder die Namen der betroffenen Familien, um deren Privatsphäre zu wahren, noch Informationen darüber, in welcher Weise die Lebenszeichen übermittelt wurden.

Nachdem es monatelang keinerlei Lebenszeichen von den Geiseln gegeben hatte, veröffentlichte die Hamas im letzten Monat zwei Videos der Geiseln Edan Alexander und Matan Zangauker, die offenbar in den letzten Wochen gedreht worden waren.
Währenddessen dauern die Verhandlungen um ein Abkommen über eine Geisel- und Waffenruhe im Gazastreifen in Katar an. Israel kenne den Aufenthaltsort der meisten Geiseln, sagte ein israelischer Beamter gegenüber der Zeitung Times of Israel und lehnte es ab, zu sagen, ob die palästinensische Terrorgruppe eine Liste der lebenden Geiseln vorgelegt habe, die sie festhalte. Der Beamte fügte hinzu, dass Israel ein Ende des Krieges als Teil eines Abkommens nicht akzeptieren würde, sondern stattdessen einem „verlängerten Waffenstillstand“ zustimmen würde.

In den vergangenen Wochen verbreitete sich verhaltener Optimismus hinsichtlich eines baldigen Abkommens. Zwar hält sich Israel zu den jüngsten Entwicklungen bei den von Ägypten und Katar vermittelten Verhandlungen weitgehend bedeckt, aber ein ägyptischer Bericht behauptete Anfang der Woche, dass Israel die Freilassung von 11 israelischen Männern in der ersten Runde der Geiselbefreiung fordere. Ein kürzlich veröffentlichter Bericht der BBC erklärte, dass 90 Prozent der Vereinbarungen bereits getroffen seien, jedoch die Kontrolle des Philadelphi-Korridors entlang der Grenze zwischen Gaza und Ägypten weiterhin einen zentralen Streitpunkt darstelle.

Das Land vereint sich für die Geiseln

In Jerusalem gab es kürzlich den ersten grossen Protest für einen Geiseldeal von Israelis aus dem nationalreligiösen Spektrum. Tausende von Gläubigen, versammelten sich in der Stadt, um einen Austausch von Geiseln gegen palästinensische Gefangene zu fordern. Sie betonten dabei ihre politische und theologische Distanz zu nationalreligiösen Mitgliedern der Regierungskoalition, die immer wieder betonen, dass sie ein solches Abkommen mit der Hamas nicht akzeptieren würden. Die Redner, die sich grösstenteils als religiöse Zionisten bezeichneten, erinnerten an die Namen der Geiseln und sprachen über die Hoffnung und die Wunder, die das bevorstehende Chanukka-Fest mit sich bringt, sowie über die grundlegenden Werte der Solidarität und nationalen Einheit, die in der israelischen Gesellschaft präsent sein müssen.
„Wir befinden uns in einer historischen Zeit, einer Zeit des nationalen Traumas, das geheilt werden muss, aber zuerst müssen die Geiseln nach Hause zurückkehren“, sagte Rabbi Mordechai Vardi vom Kibbuz Rosch Tzurim. „Wir brauchen eine Vereinbarung, die alle nach Hause bringt.“

Redakteurin Katharina Höftmann Ciobotaru arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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