Der Angriff und das Massaker der Hamas am 7. Oktober haben den Kibbuz Be’eri in Schutt und Asche gelegt. Seitdem hat der Kibbutz Hilfe von unzähligen selbstlosen Freiwilligen erhalten. Die 18-Jährige Elif Yagoub, die 2007 als Kind aus dem Sudan nach Israel geflüchtet ist und vor dem Krieg als Tutor gearbeitet hat, blieb auch nach dem 7. Oktober, um der Gemeinde zu helfen, der sie sich zugehörig fühlt. Einwohner von Be’eri haben nun einen Brief an den israelischen Innenminister geschickt, in dem sie ihn bitten, Yagoub für ihren Dienst in Israel die Staatsbürgerschaft zu verleihen.
In dem Brief appellieren die Bewohner an den Minister: „Wir schreiben Ihnen dringend in Bezug auf eine junge Frau, Elif Yagoub, die sich für die Wiederherstellung unserer Gemeinschaft und die Heilung der Seelen der Kinder von Be’eri eingesetzt hat.“ Der Brief wurde von 80 Bewohnern des Kibbutz Be’eri unterzeichnet. Yagoub wurde im Sudan geboren und kam mit zwei Jahren nach Israel. Sie wuchs im Kibbutz Ketura im Süden des Landes auf und wurde dort ausgebildet. Seitdem lebt sie mit einem befristeten Flüchtlingsvisum in Israel, das jedes Jahr verlängert wird.
„Ich bin von klein auf als Israelin aufgewachsen und fühle mich als Israelin“, sagte Yagoub in einem Zeitungsinterview. „Das ist alles, woran ich mich erinnere und was ich weiss. Als ich 14 war, fragte ich, ob ich in die IDF eintreten könnte, und man sagte mir, dass ich nicht eintreten könne, weil ich keine Staatsbürgerin sei. Seit ich mich erinnern kann, wollte ich mich melden und meinen Beitrag leisten, denn für mich war klar, dass ich Israeli bin wie jeder andere auch. Danach habe ich versucht, zum Nationaldienst zu gehen, aber auch das war wegen meines Status nicht möglich.“

Dennoch gab sie ihren Wunsch nach einem Dienst für Israel nicht auf und begann ein Jahr lang freiwillig zu arbeiten. Sie kam in den Kibbutz Be’eri, wo sie für den informellen Unterricht von 42 Schülern der 5. und 6. Klasse zuständig war. Drei Schüler, die sie unterrichtete, wurden am 7. Oktober ermordet, drei weitere wurden nach Gaza entführt und später im Rahmen eines Geiselabkommens freigelassen. In dem Brief schrieben die Bewohner von Be’eri über Yagoub: „Durch ihre ehrenamtliche Tätigkeit hat sie Entschlossenheit, Professionalität und Sensibilität bewiesen, die die Seelen unserer Kinder berührt haben. Elif identifiziert sich mit dem Staat Israel, seinen Werten, seinem Volk (…) Nach dem 7. Oktober hat Elif bewiesen, dass ihre Zugehörigkeit zur israelischen Gesellschaft nicht nur auf dem Papier steht, sondern dass sie aktiv in Israel lebt und es unterstützt. Wir sind der Meinung, dass es für die israelische Gesellschaft, den Kibbutz Be’eri und Elif von Vorteil wäre, wenn der ehrenwerte Minister das Offensichtliche offiziell anerkennen würde, nämlich dass Elif ein Teil von uns ist.“
Im März 2021 befanden sich etwa 6.200 sudanesische Migranten in Israel. Die israelischen Behörden haben vielen von ihnen in Zusammenarbeit mit dem UNHCR vorübergehenden Schutz gewährt, den Zugang zu sozialen Diensten ermöglicht und darüber hinaus ist es ihnen erlaubt, im Land zu arbeiten. Langfristige Aufenthaltsgenehmigungen oder gar die israelische Staatsbürgerschaft werden den Flüchtlingen aber so gut wie gar nicht erteilt. Darüber hinaus sind die israelische und die sudanesische Regierung über die mögliche Rückkehr von Migranten in den Sudan nach ihrem Normalisierungsabkommen im Gespräch.
