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Israel kämpft gegen Corona und „Flurona“

in Israel Zwischenzeilen/Medizin & Wissenschaft

In Israel ist die nächste Coronawelle im vollen Gange: Die Omicronvariante sorgt für eine rasante Verbreitung des Virus, inzwischen steht das Land wieder bei über 10.000 Infizierten pro Tag und ist damit nicht mehr weit von den Rekordzahlen der Deltawelle entfernt. Die Zahl der aktiven Fälle ist in den letzten beiden Wochen von 8.000 auf über 46.000 angestiegen. Besonders in den Ballungszentren sind Teststationen völlig überlastet, es dauert zum Teil tagelang bis Menschen ihre Testergebnisse bekommen und an manchen Orten sind sogar schon die Tests selber knapp geworden. Inmitten all dessen hat sich zudem ein neues Phänomen entwickelt, das in dieser Art erstmalig auf der ganzen Welt beobachtet wurde: Eine ungeimpfte Schwangere ist in Israel sowohl an Corona als auch an der Grippe erkrankt (Flurona genannt, nach dem englischen Wort „flu“ für Grippe).

Während das Vorkommen dieser Kombinationserkrankung im vergangenen Jahr aufgrund der vielen Schutzmaßnahmen verhindert werden konnte, sieht Israel in diesem Winter neben dem Ansteigen der Coronafälle auch ein Ansteigen der Grippeerkrankten – bereits fast 2.000 Patienten werden in Krankenhäusern im Land behandelt. Die Angst, dass die Krankenhäuser mit Patienten überlastet werden, ist nun nur noch größer geworden.

Israel könnte Herdenimmunität erlangen

Der ehemalige Corona-Beauftragte des Landes, Ronni Gamzu, schätzte die Lage jetzt trotzdem einigermaßen optimistisch ein: Er glaubt, dass Israel mit Omicron Herdenimmunität erlangen kann, ohne dass die Notaufnahmen der Krankenhäuser überlastet werden. Die Erleichterung von Quarantänebedingungen so wie auch die geplante Wiederöffnung der Grenzen hält er für einen Schritt in „die richtige Richtung“. Gamzu machte aber auch deutlich, dass diejenigen, die bereits für die vierte Coronaimpfung berechtigt sind, nämlich alle Israelis über 60, medizinisches Personal und Menschen mit Immunerkrankungen, sich diese dringend holen sollten.

Dr. Sharon Alroy-Preis, Leiterin der Abteilung für Öffentliche Gesundheit im Gesundheitsministerium, sieht die Herdenimmunität jedoch nicht als erstrebenswert an: „Wir wissen nicht, ob diese Welle über uns schwappen und danach alles gut sein wird. (…) Woher wollen wir wissen, dass die nächste Variante nicht Menschen, die Omicron hatten wieder neu infizieren wird?“, warnte sie in einem Fernsehinterview.

Auch Vogelgrippe wütet im Land

Währenddessen hat auch Israels Landwirtschaft und Natur mit einer ganz eigenen Pandemie zu kämpfen, die in ähnlicher Art auch in Europa ausgebrochen ist: In ganz Israel wütet die Vogelgrippe, von der nicht nur zehntausende Nutztiere wie Hühner und Truthähne betroffen sind, sondern auch wild lebende Vögel wie Kraniche: 8.000 der Zugvögel starben in der vergangenen Woche im berühmten Hula-Tal. Zwar gäbe es jedes Jahr in Israel Fälle der Vogelgrippe, in diesem Jahr sei der Ausbruch aber, so der israelische Landwirtschaftsminister Oded Forer, „von einem Ausmaß, wie wir es hier noch nie zuvor erlebt haben.“

Redakteurin Katharina Höftmann Ciobotaru arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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