MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

Immer weniger Zugvögel kommen nach Eilat

in Israel Zwischenzeilen/Tourismus & Natur

„Wir sehen jedes Jahr weniger Vögel, die Zugvögel verschwinden. Es gibt eine drastische Reduzierung, die wir besonders im Herbst beobachten können“, mit diesen Worten beschreibt der Ornithologe Noam Weiss vom Internationalen Vogelkunde- und Forschungszentrum in Eilat seine Beobachtungen. Weiss und sein Team haben in den letzten acht Jahren rund 75.000 Vögel mit Ringen versehen und Daten wie Gewicht, Gesundheitszustand etc. gesammelt. Der Rückgang beträfe vor allem Zugvögel, die aus grosser Entfernung aus dem tiefen Nordeuropa kämen und auf dem Weg nach Afrika seien, wie der Fitislaubsänger und der Neuntöter, deren Zahl sich um die Hälfte reduziert hätten.

Gepostet von Eilat Birding Center – IBRCE am Samstag, 10. April 2021

Die Gründe dafür sind vielfältig: Die globale Erwärmung macht manche Gegenden in Nord-Europa für die Vögel besser bewohnbar bzw. manche Vogelarten ziehen nicht mehr so weit wie vorher. Der Ökologe der israelischen Parkbehörde, Ohad Hatzofe, beschreibt aber auch die Veränderungen um die Stadt Eilat als einen Grund dafür, dass sich hier weniger Zugvögel einfinden: So hätte es um die Stadt herum einst weitflächige Salzwiesen gegeben, die im Frühjahr für das Wachsen vieler Blumenarten und im Herbst für viele Obstarten gesorgt hätten – doch mit dem Ausbau der Stadt sind diese fast vollständig verschwunden. Auch der Bau des grossen neuen Ramon-Flughafens hätte Folgen für das bisherige Ökosystem gehabt. Dazu kommt der Anbau von Monokulturen und die Verwendung von Pestiziden. Der Vogelpark in Eilat, der sich über eine Fläche von 64 Hektar erstreckt, soll dazu beitragen, dass sich die Zugvögel weiterhin in Israel wohlfühlen und den Verlust von Lebensraum ausgleichen, in dem er eine Oase voller Blumen, Früchten, Insekten, Teichen und Vegetation für so viele verschiedene Arten wie möglich anbietet. Neben der Forschung an den kleinen gefiederten Tieren selbst, arbeiten die Mitarbeiter des Parks auch daran, die Öffentlichkeit über die Bedeutung der Vögel für das Ökosystem aufzuklären.

Und immerhin konnte die Parkbehörde in Israel 550 verschiedene Vogelarten verorten, eine Zahl, die sonst eher in extrem vogelreichen Gegenden wie den Tropen gefunden werden kann.

Ein Paar der so genannten Bienenfresser im Vogelpark in Eilat (Bild: Avi Meir/Eilat Birding Center).

Redakteurin Katharina Höftmann Ciobotaru arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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