MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

Die Liebe in Zeiten von Corona

in Israel Zwischenzeilen/Leben, Kultur & Sport

Von Zo Flamenbaum und Katharina Höftmann

Die Welt isoliert und fürchtet sich vor dem Corona-Virus, nichtsdestotrotz: Menschen haben ein Bedürfnis nach Liebe und Nähe. Doch gerade in diesen unsicheren Zeiten werden Beziehungen überall auf der Welt auf die Probe gestellt, neu definiert und im wahrsten Sinne des Wortes eingegrenzt. Während ein Grossteil der Welt in Quarantäne lebt, stellen sich Menschen die essentiellsten Fragen. Für Singles: Wie kann man jemanden kennenlernen? Wie kann man Liebe finden? Wann kann man wieder jemanden umarmen? Und für frische Paare: Sind wir jetzt fest zusammen? Sollen wir zusammen in Quarantäne gehen oder lieber eine Fernbeziehung führen? Und für diejenigen, die schon lange zusammen sind: Wird das alles hier in einer Trennung oder einem Baby enden?

Doch selbst mit all den Schwierigkeiten, die die aktuelle Situation mit sich bringt: Die Romantik ist noch lange nicht tot und frisch Verliebte werden nur umso kreativer. So zum Beispiel in der neusten Facebook-Gruppe „Corona Crush“ (zu Deutsch in etwa „Corona Verknallt“), die „jüdische Paare in Quarantäne“ finden will: Mehr als 3.400 Mitglieder hat die Gruppe bereits und täglich posten Singles für sich selbst oder Freunde stellen ihre alleinstehenden Freunde vor, um Interessierte für ein Rendezvous zu finden – ein virtuelles Date auf Zoom mit Wein. Einer der Gruppengründer Ben Lang erklärt, dass sich bereits einige Mitglieder mehrmals für Dates zusammengefunden haben. Manche liessen sich zeitgleich Essen liefern, um zusammen am Bildschirm zu dinieren.

Als Israel in den Lockdown ging, haben sich sicherlich auch eine ganze Menge neuer Paare gebildet – denn vor der Wahl alleine oder mit jemandem zusammen in die Quarantäne zu gehen, entschieden sich einige für letzteres und schlitterten so schneller in eine ernsthafte Beziehung hinein, als das vielleicht sonst der Fall gewesen wäre. Andere haben sich von Dach zu Dach kennengelernt und an das Haus gebunden, nun eine ganze Menge Zeit, die sie miteinander verbringen können, um sich kennenzulernen. Für kinderlose Paare gilt schon jetzt der Spruch: Neun Monate nach der Quarantäne werden eine ganze Menge „Corona-Babys“ geboren werden. Und für Paare, die bereits Kinder haben, steht wahrscheinlich im Vordergrund, die Zeit gemeinsam zu überstehen, ohne einander in den Wahnsinn zu treiben und sich irgendwie zwischen Kinderbetreuung und Home Office noch kleine Räume für Gemeinsamkeit aber auch Einsamkeit zu schaffen.

Aber für alle könnte diese seltsame Zeit auch positive Seiten haben. Denn wann hat man schon einmal soviel Zeit, die man dem Partner oder der Partnersuche widmen kann. Ganz ohne den Druck, ausgehen zu müssen oder etwas besonders aufregendes zu erleben. So hat man die Chance jemanden kennenzulernen, mit dem man sich wirklich gut versteht, jemanden, der einem zum Lachen bringt und mit dem man stundenlang durchquatschen kann – all die Dinge, auf die es am Ende des Tages wirklich ankommt.

Liebe in Zeiten von Corona (Bild: Pexels).

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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