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Trotz Purim: Israel erweitert Quarantänepflicht drastisch

in Israel Zwischenzeilen/Medizin & Wissenschaft

Täglich kommen nun auch in Israel neue Fälle von an Corona erkrankten Menschen dazu: Aktuell sind 75 Israelis an (stand 11.03.20, morgens) dem Corona-Virus erkrankt, die meisten von ihnen steckten sich im Ausland an. Ein Israeli, ein Busfahrer, der sich wahrscheinlich bei Touristen in Jerusalem angesteckt hat, schwebt immer noch in Lebensgefahr. Das Gesundheitsministeriums hat deshalb jetzt beschlossen, dass alle in Israel einreisenden Israelis und Nicht-Israelis für zwei Wochen unter Hausquarantäne gestellt werden. Nicht-Israelis, die eine Möglichkeit zur zweiwöchigen Quarantäne nicht nachweisen können, dürfen nicht einreisen und werden zurückgeschickt. Bisher sind nur Einreisende aus bestimmten Ländern in Europa und Asien davon betroffen gewesen.

Da nunmehr insgesamt fast einhunderttausend Israelis unter Quarantäne stehen (was bedeutet, dass sie zwei Wochen lang nicht das Haus verlassen und dort in einem vom Rest ihrer Familie abgetrennten Raum bleiben müssen), hat die Polizei gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium nun eine Spezialeinheit gebildet, die überprüfen wird, dass diese Anweisungen auch eingehalten werden. Gleichzeitig wächst die Kritik an den Massnahmen des Gesundheitsministeriums, es würden nicht genug Israelis auf den Virus getestet und die Krankenhäuser seien nicht auf eine Verschärfung der Situation vorbereitet. Darüber hinaus seien die Einreiseverbote bzw. Quarantäneanweisungen für Rückkehrer wegen der Wahlen zu spät eingeführt worden und aus politischen Gründen zu selektiv – so sei eine Verschärfung der Einreisebedingungen aus den USA längst überfällig gewesen. Daneben haben weitere Fluggesellschaften (israelische und internationale) ihre Flüge nach Tel Aviv und von Tel Aviv in die Welt abgesagt – der Tourismusverband im Land fürchtet Verluste in Milliardenhöhe.

Purim in Zeiten von Corona: Noch sind in Israel alle Kitas und Schulen geöffnet. Auch die meisten Purim-Parties fanden statt (Bild: KHC).

Weitere Informationen:

Alle Handlungsanweisungen für Corona-Fälle in Israel (eng), Times of Israel

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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