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Israels kleine Revolutionen für den Eurovision

in Israel Zwischenzeilen/Leben, Kultur & Sport

Israels Kandidatin für den kommenden Eurovision Song Contest ist gefunden: Mit Eden Alene wird erstmals eine Israelin mit äthiopischen Wurzeln das Land vertreten. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten, sang sich die 19-Jährige mit ihrer Version des Beyoncé-Titels „Halo“ in die Herzen von Publikum, aber auch Jury der Castingshow: „HaKokhav HaBa L’Eurovizion“: „Es gab eine Zeit, da mochte ich die Tatsache, Äthiopierin zu sein, nicht, ich wollte weiss sein“, rief Eden Alene nach ihrem Sieg sichtlich gerührt, „Heute bin ich Israels erste äthiopische Vertreterin beim Eurovision. Ich bin sehr stolz.“

Alene, die bei ihrer alleinerziehenden, religiösen Mutter in Jerusalem aufgewachsen ist, steht dabei auch stellvertretend dafür, mit welcher Begeisterung, Israel Vertreter von Minderheiten zu dem europäischen Singwettbewerb schickt. In der Vergangenheit sangen bereits arabische, jemenitische und transsexuelle Künstler für das Land. Mit Netta gewann 2018 nicht nur eine Frau, die für einen neuen Feminismus stand, sondern auch eine, die mit den gängigen, klischeehaften Schönheitsidealen der Branche brach. Dazu passt auch, dass der drittplatzierte Kandidat in diesem Jahr, Orr Amrami-Brockman in einer Regenbogenfamilie mit zwei Adoptivvätern lebt, von denen der eine aschkenasischer und der andere orientalischer Jude ist. Israel bleibt sich bei der progressiven Auswahl seiner Eurovisions-Stars auf jeden Fall treu.

Für Eden Alene wird nun in einer weiteren Castingshow der perfekte Song gesucht, mit dem sie Israel dann am 16. Mai in Rotterdam vertritt.

Mit diesem Song gewann Eden Alene den Wettbewerb

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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