Das Leben in Tel Aviv fühlt sich seit einigen Tagen an wie eine ausgedehnte Shabbat-Ruhe mit kurzen, lauten Unterbrechungen: Es fahren weniger Autos, die Cafés und Bars sind leerer, die Nachbarn sind offener und netter zueinander. Der einzige Unterschied: Jedes laute Geräusch lässt die Menschen aufhorchen. Ein Krankenwagen fährt vorbei und alle reißen die Köpfe hoch. Am Strand spielt jemand Schlagzeug und das Intro lässt die Ersten zu ihren Sachen greifen.
Gleichzeitig wird aber so intensiv gelebt, wie es zu diesem intensiven Land passt: direkt nach den Minuten in einem Schutzraum wird im Restaurant gegessen, Pärchen laufen abends Hand in Hand am Rothschild Boulevard entlang und teilen sich ein Bier, vor den Fenstern hängt Wäsche zum Trocknen und Tel Avivis führen ihre Hunde aus. Es ist die Absurdität des Alltags in Tel Aviv, die dominiert, nicht Angst.
Normalität gilt auch für den internationalen Flugverkehr, Ben Gurion Airport ist in Betrieb, allerdings nur von Terminal 3 aus. Busse fahren durch das ganze Land, die meisten Züge kommen ebenfalls nach Fahrplan an. Israelis leben Normalität, soweit es geht – kein Zweifel, dass das Vertrauen in die beiden Schutzengel, den Iron Dome und Gott, unerschüttert ist.

Tisch zu ergattern (Foto: Jennifer Bligh)
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