Immer grössere Platzprobleme auf israelischen Friedhöfen

in Israel Zwischenzeilen

Rund 40.000 Menschen sind in Israel im Jahr 2011 nach Angaben des israelischen Statistikamts verstorben – in einem Land, in dem um jeden Quadratmeter Land heftig gekämpft wird, stellt sich mehr und mehr die Frage, wo all die Toten begraben werden sollen. Israelische Architekten entwerfen immer öfter kreative Konzepte, bei denen wie in Hochhäusern Gräber übereinander angelegt werden können.

Und neue Lösungen werden dringend benötigt: Vor allem in den Ballungsgebieten um Jerusalem und Tel Aviv mussten bereits einige Friedhöfe geschlossen werden. Von sechs Friedhöfen um Tel Aviv ist inzwischen nur noch einer als „offen“ markiert, als offen gelten die Friedhöfe, auf denen Plätze von der israelischen Bestattungsbehörde bezahlt werden. Bereits jetzt werden in Gräbern Ehepartner übereinander und nicht nebeneinander bestattet. Angehörige müssen auf immer weiter entfernte Grabstätten ausweichen oder horrende Preise für eine Grabstätte ihrer Wahl zahlen. Ein Platz auf dem berühmten Ölberg in Jerusalem, kostet hingegen mittlerweile um die 30.000 Euro (ca. 37.000 CHF). Die erhebliche Platznot resultiert übrigens nicht nur daraus, dass Israel generell ein kleines, dicht besiedeltes Land ist – vor allem sind in der jüdischen Religion Einäscherungen verboten. Ausserdem müssen jüdische Gräber immer erhalten bleiben und dürfen nicht irgendwann ausgehoben werden o.ä.

Das wichtigste bei der Entwicklung neuer Konzepte für Gräber ist, dass die jeweiligen Traditionen berücksichtigt werden: So muss ein jüdisches Grab mit der Erde verbunden sein. Eine Anforderung, die sich besonders bei den Nischengräbern als nicht so einfach darstellt. Die beiden Architekten Uri Ponger und Tuvia Sagiv haben jedoch auch dafür eine Lösung gefunden, mit der das Oberrabbinat zufrieden ist: In den Grabkammern ist Erde und zwischen ihnen verlaufen mit Erde gefüllte Röhren, die zum Boden führen. Insgesamt plant das Architektenbüro der beiden zwei neue Grabanlagen mit insgesamt über 23.000 Gräbern.

Wie eine Hochhaussiedlung: So wie in diesem Entwurf für einen Friedhof in Jerusalem werden Gräber in Israel in Zukunft wahrscheinlich aussehen. (Bild: Greenprophet.com)
Wie eine Hochhaussiedlung: So wie in diesem Entwurf für einen Friedhof in Jerusalem werden Gräber in Israel in Zukunft wahrscheinlich aussehen. (Bild: Greenprophet.com)

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Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).