MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

Ein Land aus Plastik

in Israel Zwischenzeilen/Tourismus & Natur

Jeder Strandaufenthalt bei stürmischer See macht deutlich, dass Israel ein Problem mit Plastikabfällen hat. Um es in Zahlen zu packen: Die Mengen an Mikroplastik-Müll an der israelischen Küste sind neun Mal höher als in anderen mediterranen Ländern. Während in Ländern wie Frankreich und Indien Plastikgeschirr und -Besteck verboten wird, nutzen Israelis (laut einem Hersteller von eben diesen) mehr als 250 Millionen Plastikbecher pro Monat. In jedem Büro, jeder Arztpraxis und an jedem Kiosk – überall wird aus Plastikbechern getrunken, als gäbe es kein Umweltproblem damit, als würden nicht jedes Jahr 8 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Weltmeere geschmissen werden.

Vor allem an Feiertagen werden die Familien, die in Israel oft kinderreich sind, der Einfachheit halber mit Essen auf Plastikgeschirr versorgt. Besonders in den orthodoxen Gemeinden, gehört das Wegwerf-Geschirr zum Tischbild: Plastikteller sind immer koscher, noch wichtiger aber: Sie müssen nicht abgewaschen werden. In Talmudhochschulen z.B. ist die Verwendung von Plastik billiger, als einen Tellerwäscher einzustellen.

Israels Umweltministerium scheint das Problem zu ignorieren: Auf eine Anfrage des Mediums Calcalist hin, gab man nur an „keine empirischen Daten im Zusammenhang mit Wegwerf-Geschirr“ zu haben. Auch eine Einschränkung der Einfuhr oder gar ein Bann von Plastikgeschirr, sei bisher nicht geplant.

Wegwerf-Geschirr in einem Geschäft in Tel Aviv (Bild: Zo Flamenbaum).

Weitere Informationen:

Israel schwimmt in Plastikabfällen (eng), Calcalist

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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