MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

Israel kämpft gegen Corona – und schliesst alles, was geht

in Israel Zwischenzeilen/Medizin & Wissenschaft

Die Zahl der an COVID-19 erkrankten Israelis steigt dramatisch: Aktuell sind 427 Israelis (stand 18.03.20, morgens) erkrankt, fünf davon schwer. Etwa ein Viertel der Erkrankten zeigen gar keine Symptome und wurden nur getestet, weil sie in direktem Kontakt mit infizierten Personen waren. Eine Studie, basierend auf 250 Fällen zeigt, dass 24 Prozent asymptomatisch waren zum Zeitpunkt der Diagnose, 26 Prozent zeigten Symptome einer Atemwegserkrankung ohne Fieber und 16 Prozent hatten Fieber aber keine Atemprobleme oder Husten. In 29 Prozent der Fälle hatten die Patienten sowohl Fieber als auch Symptome einer Atemwegserkrankung. Die restlichen Patienten hatten unbestimmte Symptome.

Am Sonntagabend gab der noch amtierende Premierminister Benjamin Netanyahu bekannt, dass nun alle Bildungseinrichtungen (inklusive Kindergärten, Schulen, Universitäten etc.), Cafés, Restaurants, Einkaufszentren, Museen, Theater, Fitnesscenter etc. geschlossen sind. Versammlungen und Treffen, bei denen mehr als zehn Menschen zusammenkommen, sind untersagt. Dazu empfiehlt das Gesundheitsministerium allen Menschen mindestens zwei Meter Abstand zu anderen Leuten zu halten und warnt Israelis, die Häuser nur dann zu verlassen, wenn es unbedingt nötig ist (bisher mit mässigem Erfolg). Wer von zu Hause arbeiten kann, soll das tun. Für Altenheime wurde spezielle Regeln entworfen, bei denen immer nur eine Person (und am Besten nur diejenige, die sich auch sonst um die Menschen kümmert), zu Besuch kommen darf. Der öffentliche Nahverkehr wurde deutlich reduziert.

Nun sollen auch Hotels zu Krankenstationen umfunktioniert werden, das Gesundheitsministerium überlegt ausserdem eine komplette Ausgangssperre zu verhängen, sollte die Zahl der am Virus Erkrankten weiterhin so stark ansteigen. Der oberste Gerichtshof und die amtierenden Minister im Land haben währenddessen eine äusserst umstrittene Ausnahmeregelung genehmigt, die es möglich macht, Israelis, die unter Heimquarantäne stehen, anhand ihres Telefons zu verfolgen. Da sich so viele Israelis nicht an die Empfehlungen halten, dass Haus nur noch in Notfällen zu verlassen, wollen die Behörden Verstösse stärker verfolgen.

Ein geschlossenes Restaurant auf der Dizengoff Strasse in Tel Aviv (Bild: KHC).

Weitere Informationen:

Umstrittenes Gesetz zur Verfolgung von unter Quarantäne stehenden (eng), Times of Israel

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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