MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

Universitäten brauchen mehr AI-Studiengänge

in Israel Zwischenzeilen/Wirtschaft & Innovation

Obwohl Israel ein absolutes Powerhouse für Entwicklungen im Bereich künstlicher bzw. artifizieller Intelligenz (AI) ist, fehlt es im Land an Ausbildungsmöglichkeiten in diesem Fach. Zwar gibt es bereits Dutzende Kurse und Studienrichtungen, die sich mit dem Teilgebiet der Informatik beschäftigen, aber die Nachfrage ist trotzdem deutlich höher als das Angebot: „Es gibt eine riesige Nachfrage von der Regierung, von der Industrie und den Studierenden, aber das ist nichts, was man über Nacht aufbauen kann, wir brauchen einen neuen Lehrstuhl mit zehn Mal mehr Personal. Das ist eine riesige Herausforderung für die Informatik.“, erklärt Prof. Katrina Ligett, die an der Jerusalemer Hebrew Universität den Lehrstuhl für Internet und Gesellschaft leitet.

Nach Berichten der Organisation Start-up Nation Central gab es Ende 2018 etwa 1.150 israelische Start-ups, die sich mit Themen um den Bereich AI auseinandersetzen. AI-Firmen machen etwa 17 Prozent aller Tech-Unternehmen im Land aus und haben 2018 insgesamt 2,25 Milliarden US-Dollar in Finanzierungen erhalten, das entspricht 37 Prozent der gesamten Anschubfinanzierung im Tech-Bereich. Vor allem in den Bereichen Gesundheitsversorgung, Cybersicherheit und Produktion konnten einige spannende AI-Produkte entwickelt werden: Das bekannteste unter ihnen ist sicherlich Mobileye, ein visionsbasiertes Fahrerassistenzsystem, das 2017 für 15,3 Milliarden US-Dollar von Intel akquiriert wurde – die höchst dotierte Hi-Tech-Akquisition in der israelischen Geschichte.

Prof. Amnon Shashua, CEO von Mobileye, glaubt, dass viele akademische Programme zu lang sind und nicht mehr einhergehen mit der Realität, in der sich Technologien rasant entwickeln: „Die Verfügbarkeit von Onlinekursen ermöglicht es den Leuten, sich mit AI zu beschäftigen und die Einführungskurse zu vermeiden, welche in der Vergangenheit Pflicht waren, bevor man sich mit komplexeren Fragen beschäftigen konnte. Universitäten kommen mit dieser Art zu denken noch nicht so gut zurecht.“

Mobileye – eine israelische Idee

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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