MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

Neue App bekämpft Verschwendung von Nahrungsmitteln

in Israel Zwischenzeilen/Wirtschaft & Innovation

Etwa 400 Menschen haben die App in den ersten zehn Tagen nach ihrem Launch bereits heruntergeladen. 16 Unternehmen, Restaurants, Cafés, Supermärkte und Hotels machen auch schon mit bei „SpareEat“: Die App will Unternehmen, die Nahrungsmittel loswerden wollen mit Menschen verbinden, die die Nahrungsmittel zu einem vergünstigten Preis erwerben. Die Einrichtungen zeigen an, welche Gerichte für einen günstigen Preis abgeholt werden können und wann (meist spät abends) und man zahlt direkt über die App.
Angeboten wird beispielsweise von einem Café eine Box mit Salat oder Sandwich und einem Dessert für insgesamt 30 Schekel (ca. 7,70 Euro, 8.40 CHF). Alles Lebensmittel, die ansonsten im Müll landen würden und nun für einige Euro unter dem Standardpreis erworben werden können.

Das Bewusstsein für die Verschwendung von Nahrungsmitteln ist in Israel noch relativ unterentwickelt. Erst im vergangenen Jahr hat die Knesset ein Gesetz auf den Weg gebracht, das Essensspenden erleichtern soll, weil die Spender nun nicht mehr für evtl. Folgen haften müssen. Essensabfälle werden in Israel kaum vom normalen Müll getrennt. Auch das soll sich, wenn es nach dem Umweltministerium geht, in Zukunft ändern. Insgesamt ist Mülltrennung für viele Israelis noch ein Fremdwort: 5,3 Millionen Tonnen Abfall produziert das Land jedes Jahr und liegt damit über dem OECD-Durchschnitt von 1,4 kg pro Person und pro Tag. Etwa 6 Prozent der Abfälle im Land bestehen aus Wegwerfwindeln. Das Ministerium hat es sich zum Ziel gemacht, dass bis 2030 immerhin 50 Prozent der Abfälle im Land recycelt werden, kein einfaches Ziel ist das System doch immer noch unübersichtlich. Nicht alle Häuser und Nachbarschaften verfügen über alle Tonnen, oft haben die Mülleimer für Pappe, Plastik und allgemeine Abfälle je nach Gemeinde andere Farben. In vielen arabischen Städten im Land gibt es gar keine Mülltonnen zur Trennung von Abfällen. Die Entsorgung von Sonderabfällen wie Batterien oder Medikamente ist noch viel unübersichtlicher.

Für die allgemeine Reduzierung von Abfällen wäre es wichtig, dass Israelis endlich anfangen, weniger Wegwerf-Artikel, Plastiktüten und zu nutzen. „Unsere Nachricht für die israelische Öffentlichkeit ist: Übernehmt die Verantwortung“, erklärte Oded Nezer, Leiter der Abteilung für Abfallmanagement im Umweltschutzministerium, kürzlich „Und schmeisst euren Müll in die richtigen Tonnen.“

Mülltonnen an einem Wohnhaus in Tel Aviv – es fehlt die blaue Tonne für das Papier (Bild: KHC).

Weitere Informationen:
Israel fordert mehr Veranwortung bei Mülltrennung (eng), Times of Israel

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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