MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

Fussball-Fans in Israel feiern WM

in Israel Zwischenzeilen/Leben, Kultur & Sport

Dass die israelische Nationalmannschaft seit 1970 an keiner Fussball-Weltmeisterschaft mehr teilgenommen hat, ist ganz einfach zu erklären: Im Nahen Osten ist kaum ein Land bereit, gegen Israel anzutreten. 1958 spielte Israel noch in der afrikanisch/asiatischen Zone und gewann in seiner Gruppe, ohne auch nur ein Spiel zu machen. Sämtliche andere Mannschaften hatten sich geweigert, gegen Israel zu spielen. Nachdem Israel 1974 auf einen Boykott-Aufruf von Kuwait hin gänzlich aus der AFC Champions League geworfen wurde, konnte es sich erst 1994 einen Platz in der Europäischen UEFA sichern. Seitdem muss die Nationalmannschaft in der Europäischen Gruppe G gegen Länder wie Spanien, Italien und Albanien antreten. Und verliert meist (wenn auch – und das zeigt, dass die israelische Mannschaft nicht so schlecht sein kann – nicht besonders hoch).

Die WM verfolgen Israelis trotzdem leidenschaftlich. Die meisten Bars in den grossen Städten im Land zeigen die Spiele auf grossen Bildschirmen und an wichtigen Spielabenden echoen die begeisterten oder enttäuschten Aufschreie durch ganze Stadtviertel. Die Spiele können sowohl im TV als auch online kostenlos verfolgt werden. Dort sind auch die Werbespots ganz auf WM-Fieber angepasst.

Viele Russisch-stämmige Israelis drücken gerade in dieser WM der russischen Mannschaft die Daumen und die meisten französischen Einwanderer feuern die Les Bleus an. Insgesamt gibt es unter den Israelis viele Fans der argentinischen Mannschaft, seitdem Argentinien aber ein begeistert erwartetes Freundschaftsspiel im Land aus politischen Gründen abgesagt hat, sind viele Fans auf das brasilianische Team umgeschwenkt.

Eine Bar für Fussballbegeisterte in Tel Aviv (Bild: KHC).

Weitere Informationen:

Israelis verfolgen WM (eng), JPost

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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