MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

Willkommen in der sozialen High-Tech-Revolution

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Soziale Start-ups haben oft den Ruf, nicht profitabel zu sein. Dass das nicht stimmt, zeigt die israelische Organisation TechForGood, die nicht nur Start-ups unterstützt, sondern vor allem diesen Irrglauben ein für alle Mal beseitigen will. Gemeinsam mit der Schweizer Botschaft in Israel wurde eine Partnerschaft für maximale Synergien etabliert…

Von Zo Flamenbaum und Katharina Höftmann

Was wäre, wenn man jährlich sechs Milliarden männliche Küken vor dem Sterben retten könnte?

Weil sie keine Eier legen und nicht für Geflügelfleisch genutzt werden können, werden jährlich Milliarden von männlichen Küken ermordet und anschließend entsorgt. Ein israelisches Start-up namens eggXYt will dafür eine Lösung gefunden haben, die nicht nur Leben sondern auch Geld rettet, Abfälle verringert und so die Situation in der Hühnerzucht entscheidend verbessert. Mit Hilfe einer Technologie kann eggXYt sofort, nachdem Eier gelegt wurden, das Geschlecht des dort heranwachsenden Kükens bestimmen, diese Eier aussortieren und direkt auf den Nahrungsmittelmarkt schicken. Normale Investoren hören an dieser Stelle vielleicht „nur“ die Worte „Leben retten“ und gehen automatisch davon aus, dass diese soziale Idee keine Profite einfahren kann. Aber was sie nicht wissen, ist, wie rentabel dieses soziale Start-up tatsächlich ist. Das ist der Punkt, an dem TechForGood ins Spiel kommt.

EggXYt wurde unter anderem von einem Nachkommen von israelischen Hühnerzüchtern gegründet (Bild: Screenshot Webseite).

TechForGood ist ein Accelerator-Programm für soziale Start-ups, welches das Narrativ über soziales Investieren ändern und Israel als führende Start-up-Nation in dem Bereich etablieren will. Dafür kreierte die Organisation eine Plattform und Ressourcen um mit dem Irrglauben, dass Gutes tun keine Profite bringen kann, ein für alle Mal Schluss zu machen.

Eine Lücke in der Technologiewelt

Auf die Idee kamen vor drei Jahren Omri Boral und Nir Shimony, die hier eine Lücke in der Technologiewelt sahen. Sie bündelten ihre Fähigkeiten in den Bereichen Finanzierung und Unternehmertum, ihre Netzwerke und all ihre Energie, um eine neue, dringend notwendige Plattform aufzubauen. Mit TechforGood sollten endlich die engagierten und ambitionierten Unternehmer unterstützt werden, die hochentwickelte Technologien nutzten, um die Welt besser zu machen.

Inzwischen fördert und berät TechForGood rund zehn Start-ups regelmäßig, indem sie gemeinsam die Ideen und den Business Plan schärfen und wirtschaftlich machen. Boral und Shimony haben einen Weg gefunden, Investoren begreiflich zu machen, dass Start-ups mit einem sozialen Wert wertvoller sind. Vor allem aber, dass es diese Start-ups sind, die die Zukunft von Technologie und Wirtschaft ausmachen. Dabei betonen die beiden High-Tech-Experten, dass es nicht nötig ist, den Gewinnaspekt aus den Augen zu verlieren.

Inspiriert von den „Global Goals“ der UN und auf Basis von 17 eindeutig definierten Zielen, fokussiert TechForGood auf Start-ups in den Bereichen Nahrungs- und Abfallmanagement, Altern, und Umweltnachhaltigkeit. Dabei kombiniert TechForGood die zwei größten Stärken Israels: Seine Menschen und seine Innovationsfähigkeit. Sie haben einen Hafen für Unternehmer geschaffen, die verändern wollen und dabei auch bereit sind, Risiken einzugehen. Und sprechend damit genau die neue Generation von Gründern an, die nicht nur Karriere machen wollen, sondern auch einen Sinn in ihrer Arbeit suchen.

TechForGood hilft jungen sozialen Start-ups dabei, erfolgreich zu werden (Bild: Webseite TechForGood).

Boral und Shimony haben eine einzigartige Methodik entwickelt, die für jedes Start-up adaptiert und individualisiert werden kann und mit deren Hilfe DNA und Entscheidungsfindung der Firma geschärft und Erfolgsfaktoren messbar gemacht werden. Außerdem vermitteln sie zwischen den Unternehmern und geeigneten Investoren.

Gewinne und Gutes tun

„Die Hauptidee dabei ist, dass ein soziales Start-up sich nicht von Fintech oder Cybertech unterscheidet. Soviel Geld will investiert werden und die Tatsache, dass man etwas Gutes tut, heißt nicht, dass es keine finanziellen Gewinne gibt“, erklärt Nir Shimony die Philosophie seiner Organisation. Noch vor drei Jahren mussten er und seine Geschäftspartnerin Omri Boral Klinken putzen, um überhaupt Unternehmer zu finden, die von der Arbeit ihrer Organisation profitieren würden. Heute müssen sie sich durch hunderte Bewerbungen durcharbeiten.

Auch die großen Unternehmen in Israel haben endlich angefangen, den Wert von sozialer Nachhaltigkeit als langfristigen Wachstumsfaktor und Erfolgsgaranten zu erkennen. So arbeitet TechForGood unter anderem mit dem Milchproduktehersteller Tnuva zusammen, die sich dem Thema Kindergesundheit verschrieben und sich zum Ziel gesetzt haben, ihre Produkte dahingehend zu verbessern, um Fettleibigkeit unter Kindern zu verringern. Die großen Unternehmen helfen dabei, soziale Start-ups in die High-Tech-Industrie einzubinden und dabei ebenbürtig zu machen.

Kooperation mit der Schweiz

TechForGood will zukünftig auch weltweit agieren und weiterhin die richtige Umgebung zu schaffen, um in der High-Tech-Welt Gutes zu tun. Eine besonders starke Partnerschaft konnte bereits mit dem sozialen Silicon Valley der Schweiz aufgebaut werden: In Genf hat TechForGood einen Partner gefunden, um viele globale NGOs wie UNICEF und das Rote Kreuz anzusprechen. Gemeinsam mit der Schweizer Botschaft in Israel wurde eine Partnerschaft für maximale Synergien etabliert.

In der ersten großen SocialTech-Konferenz hat TechForGood gemeinsam mit der Botschaft 300 VCs (Venture Capitalists), Angel Investoren, Gründer, Vorstände großer Unternehmen und Besucher aus der Schweiz in Israel zusammengebracht. Das sind 300 Menschen, die spätestens jetzt verstanden haben sollten, dass ein soziales Unternehmen nicht nur eine schöne Idee ist, sondern auch Gewinne einfahren kann.

Die erste große Social Tech Konferenz fand mit Unterstützung der Schweizer Botschaft in Israel statt (Bild: Presse).

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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