MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

Holocaustüberlebende trauen sich noch einmal

in Israel Zwischenzeilen/Leben, Kultur & Sport

Es ist ein beeindruckendes Bekenntnis zum Leben und zur Liebe: In Holon haben sich jetzt 18 Paare mehr als 50 Jahre nach ihrer Hochzeit erneut trauen lassen. Das besondere daran: Alle Brautleute sind Überlebende der Shoa.

Die Aktion war von der Stadt Holon gemeinsam mit der Berufsschule der Stadt ins Leben gerufen worden. Die Friseurschüler kümmerten sich beispielweise um Haar und Make-up der Hochzeitspaare. Im Rahmen eines Schulprojekts, das ein Jahr lang läuft, besuchen die Schüler regelmässig die Holocaustüberlebenden und befragen sie zu ihren Biografien und ihren Geheimnissen für eine glückliche Ehe. Die Fotografien, die dabei entstehen, werden im Holon Kunstmuseum ausgestellt.


Noch einmal richtig heiraten – für manche Paare war es sogar die erste richtig jüdische Hochzeit (Bild: Schüler der Berufsschule Holon).

Unter den Hochzeitspaaren sind auch Rachel und Eliezer Greenfeld, die seit 72 Jahren verheiratet sind: „Wir waren 20-Jährige Kinder“, erinnert sich Rachel gegenüber dem Medium Ynet, „Ich bin aus Auschwitz nach Lodz zurückgekehrt und dachte, dass ich jemanden aus meiner Familie wiedertreffen würde. Stattdessen lernte ich ihn kennen…“

Dabei fanden die ersten Hochzeiten der Paare unter weitaus einfacheren Umständen statt, Rachel Greenfeld hatte nicht einmal einen richtigen Schleier: „Es gab viele Mücken in Polen und unsere Freunde legten mir einfach eine Mückengase über.“ Trotzdem erinnert sich Rachel gerne an ihre erste Trauung: „Wir waren jung und lebendig. Wir glaubten daran, dass das Leben gut ist, trotz allem, was wir erlebt hatten. Ich hatte keine Familie mehr und er sagte zu mir: ‚Sei nicht traurig. Ich bin deine Mutter, dein Vater und deine Geschwister.‘ So ist es bis heute.“ Die erneute Trauung besiegelt diese Liebe.

72 Jahre nach ihrer ersten Hochzeit trauten sich Rachel und Eliezer Greenfeld noch einmal (Bild: Schüler der Berufsschule Holon).

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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