MAGAZIN – LEBEN IN ISRAEL

Zum Tode von Elie Wiesel: Immer für die Sache Israels

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Er hat zwar nie in Israel gelebt, aber Elie Wiesel war immer bedingungslos auf der Seite des Landes: Der wohl berühmteste Holocaust-Überlebende der Welt ist in dieser Woche in New York verstorben. Wiesel, der vor allem in den USA aber auch in weiten Teilen Europas als eine Art „moralisches Gewissen“ galt, hat mit seinen literarischen und dokumentarischen Arbeiten gegen das Vergessen des Völkermords an den Juden gearbeitet. Dabei hatte der jüdische Staat immer einen besonderen Platz in seinem Herzen, wenn er an seinem Schreibtisch arbeitete, schaute er auf eine Skizze von Jerusalem. Gefragt nach den glücklichsten Momenten in seinem Leben nannte er einst die Geburtsstunde Israels und die Befreiung Jerusalems im Sechs-Tage-Krieg. Er besuchte das Land drei Mal im Jahr und heiratete hier auch seine Frau Marion. Die angebotene Rolle als Präsident Israels nahm er trotzdem nie an.

Vielleicht lag es auch daran, dass der Nobelpreisträger mit seinen Arbeiten in Israel immer nur einer unter vielen war: Bis heute gehört sein Werk „Die Nacht“ nicht zum Schullehrplan und während das Buch nach seinem Tod in Deutschland direkt auf Platz 1 der Bestseller-Liste schnellte, gab es diesen Effekt in Israel nicht: „Man muss verstehen, dass es in Israel zehntausende Überlebende gab, viele von ihnen grossartige Schriftsteller wie Aharon Appelfeld – daher war Wiesel hier kein einzigartiges Phänomen“, erklärt Dina Porat, Chefhistorikerin von Yad Vashem, die Rolle Wiesels in einem Gespräch mit der Zeitung Haaretz. Und Jacky Feldman, Professor für Anthropologie an der Ben Gurion Universität, ergänzt: „Er hat eine religiöse Sprache verwendet, fast mystisch, die in Israel zu der Zeit nicht besonders gut ankam. In seinem Werk „Nacht“ stellt er Gott vor Gericht, etwas, dass Ultra-Orthodoxe Juden nicht akzeptierten und für säkulare Kibbuzniks, die nicht an Gott glaubten, bedeutungslos war.“

Am Ende war man in Israel wohl immer auch etwas enttäuscht, dass Wiesel sich nie für das Leben im Nahost-Staat entschieden hatte.

Elie Wiesel – einer der bekanntesten Shoa-Überlebenden ist nun verstorben (Bild: David Shankbone)
Elie Wiesel – einer der bekanntesten Shoa-Überlebenden ist nun verstorben (Bild: David Shankbone)

Weitere Informationen:

Elie Wiesel und seine Beziehung zu Israel, JPost, 03.07.16

Warum Elie Wiesel in Israel nie Fuss fasste, Haaretz, 03.07.16

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Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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