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Das Idol der digitalen Zukunft – ein Treffen mit dem Erfinder des USB-Sticks

in Israel Zwischenzeilen/Wirtschaft & Innovation

Dov Moran ist eine Legende. Der Erfinder des USB-Sticks ist bis heute in Israels Start-up-Szene umtriebig. Wir haben ihn in getroffen und mit ihm über seine wichtigste Geschäftsidee und sein Erfolgsgeheimnis gesprochen…

Von Jennifer Bligh

Eine halbe Stunde dauert es von Tel Aviv, bis man im so genannten „Grünen Dorf“ (Hakfar Hayarok) im Landesinneren angekommen ist. Das Dorf ist nicht nur für seine herausragenden Schulen und fruchtbaren Felder bekannt – auch einige erfolgreiche High-Tech-Unternehmen sind hier ansässig. In einem davon sitzt Dov Moran, der berühmte Israeli, der den USB-Stick erfunden hat. Ein Mann, der die simple, produktive und pragmatische Umgebungen in Hakfar Hayarok zu schätzen weiss. „Wir brauchen hier kein kreatives Chaos. Das ganze Land ist eine kreative Herausforderung für schnelle Denker“, erklärt der 60-Jährige High-Tech-Pionier.

Wen man an Israel und seine Innovationen denkt, kommt man an Dov Moran nicht vorbei. Er ist eine Legende. Seine erste Firma M-Systems gründet er 1989, den Abschluss von der Technion Universität in Haifa gerade erst in der Tasche. M-Systems, finanziert vom US-Unternehmen Miltope, beschäftigt sich mit der Suche nach neuen Wegen, um Daten zu transportieren. Es ist die Zeit der Disketten und obwohl Moran und seine Kollegen auf der Suche nach neuen Speichermöglichkeiten voran kommen, gibt es fast keinen Markt für ihre potentiellen Entwicklungen. Anfang der Neunziger verfügen nur wenige Privathaushalte überhaupt über Computer und kaum jemand macht sich über Datensicherung Gedanken.

Als sein Computer den Geist aufgibt, kommt ihm die richtige Idee

Als Moran eines Tages bei einem Kunden präsentieren soll, gibt sein Computer den Geist auf und all die anderen Geräte erkennen seine Daten nicht. „Das war der Knackpunkt, da habe ich verstanden, dass es falsch war, sich nur auf die Speicherchips zu verlassen. Viel wichtiger war es, eine Software zu entwickeln, die Computer dabei unterstützte, andere Datenträger als externe Festplatten zu erkennen.“ Moran teilt seine Geschäftsidee auf und entwickelt nicht nur das Speichermedium selbst, sondern auch die Software für die Computer. Der Haken liegt jedoch in der Geschwindigkeit – die ersten Versionen sind äusserst langsam. Auch finanziell lohnt sich das Geschäft nicht gerade. „Die Anfangsjahre waren sehr hart, manchmal war es schwer, die Gehälter für meine Mitarbeiter zu zahlen.“
Dov Moran braucht Geld und kommt auf die Idee, eine seiner Speicher-Innovationen als individuelles Produkt an einen Investor zu verkaufen. „Dieser Investor hatte jedoch eine andere Idee“, erinnert sich Moran, „Er wollte unsere Firma an die Börse bringen.“ Der Plan geht auf, über Nacht ist Morans Unternehmen auf einmal 4 Millionen USD wert: „Ich dachte, soviel Geld wird für immer reichen.“

Das Geld reicht für zweieinhalb Jahre. Genug Zeit, um 1995 eine amerikanische Patentnummer für das „True Flash Filing System“ zu erhalten. Diese Software ermöglicht es, dass Computer externe Medien als externe Speicher erkennen. Die zweite Erfindung von M-Systems, ebenfalls im Jahr 1995, ist nur drei Zentimeter lang: Sie nennen ihn den DiskOnChip. Der USB-Stick ist geboren.

Nach weniger als zwei Jahren wird der USB-Stick Standard

Der erste Disk-on-Key hat eine Speicherkapazität von acht Megabyte und kostet 50 US-Dollar. Die Technologiewelt ist enthusiastisch: Dieser kleine magische Stecker bietet fünfmal mehr Speicher als eine Diskette. M-Systems wird mit Innovationspreisen überschüttet. Toshiba, IBM – sie alle wollen jetzt in Dov Morans Firma investieren.
Nach weniger als zwei Jahren wird der USB-Stick weltweit Standard. Für Moran ist die Software trotzdem der grössere Erfolg: „Diese Technologie hat den Weg für Flashspeicher in Handys bereitet. Ohne diese Software könnten Computer heute nicht mit anderen Speichermedien kommunizieren.“

Der Gewinn seiner Firma steigt zwischen den Jahren 2001 und 2006 von 45 Millionen USD auf 1 Milliarde. Dann bekommt Moran ein Angebot, das er nicht ablehnen kann: 17 Jahre nach der Gründung verkauft er M-Systems für 1,6 Milliarden USD an die SanDisk Corp. Für Moran springen 80 Millionen USD Nettogewinn dabei raus. „An meinem letzten Tag habe ich meine Sachen in eine Kiste gepackt und gegen Mittag das Büro verlassen, um meine nächste Geschäftsidee zu entwickeln.“ Zwischen dem Abschied von seinem ersten grossen Unternehmen und der Arbeit als Start-up-Gründer lag weniger als eine Stunde.

Die folgende Geschäftsidee scheitert

Morans folgende Geschäftsidee, ein kleines Mobiltelefon namens Modu, scheitert. Aber Moran wäre nicht Moran, wenn er danach nicht weitergemacht hätte. Er gründet Comigo, eine Multimedia-Box, die technische Geräte miteinander verbindet, und übergibt 2015 ein florierendes Unternehmen an seinen Nachfolger Motty Lentzitzky.

Die Legende sucht nach neuen Herausforderungen und konzentriert sich heute voll und ganz auf die Rolle als Investor: „Die Zukunft hängt von mutigen Menschen, innovativen Ideen und eruptiven Technologien ab“, glaubt Moran und gründet dementsprechend den Start-up-Accelerator Grove Ventures. Dieser konzentriert sich auf die Entwicklung von Hardware für das „Internet der Dinge“ (intelligente, eingebettete Computer, z.B. Sensoren in Kleidungsstücken), Clouddienste und Big Data. Moran fokussiert vor allem auf den chinesischen Markt, wo der High-Tech-Guru das meiste Wachstumspotential sieht. Seine Unternehmer jedoch sitzen alle in Israel. „Ich kann nur dann helfen, wenn ich die Menschen kenne“, erklärt er. In den letzten 40 Jahren hat Dov Moran gelernt, was es braucht, um am Markt Erfolg zu haben: „In Israel brauchst du nicht mehr als gute Leute, einen Scheck und Glück.“

Der USB-STICK Erfinder Dov Moran in Israel (Bild: Katharina Bohm).
Der USB-STICK Erfinder Dov Moran in Israel (Bild: Katharina Bohm).

Aus dem Englischen von Katharina Höftmann

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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