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Stimmen zum Brexit und seinen Folgen für Israel

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Die ganze Welt diskutierte in der vergangenen Woche über den Ausstieg Grossbritanniens aus der EU und die Folgen für die europäische Gemeinschaft. Unter Israelis wurde die Entwicklung naturgemäss etwas weniger emotional kommentiert – von offiziellen Stellen gab es (bisher) gar keine Reaktion – Folgen könnte der umstrittene Schritt aber auch für den kleinen Nahost-Staat haben.

Zwar ist bisher unklar, wie sich der Ausstieg im Detail gestalten wird, sicher scheint aber für Sharon Pardo, Professor für europäische Studien an der Ben Gurion Universität im Negev, dass eine schwache EU sich negativ auf Israel auswirke, vor allem da diese Israels wichtigster Handelspartner sei. Auch aus diplomatischer Sicht sei es so, dass Israel einen wichtigen Partner mit Einfluss auf die Politik der EU verliere – wobei Pardo davon ausgeht, dass Deutschland, ein Land mit dem Israel enge Verbindungen pflegt, diesen Verlust auffangen wird.

Wenig Konsequenzen für Israel vermutet der Diplomat und Direktor für Kommunikation der Jewish Agency, Yigal Palmor: Aus seiner Sicht würde sich für Israel nur etwas ändern, wenn das Vereinigte Königreich im Zuge des EU-Ausstiegs an bisherigen Positionen, beispielsweise in der Bekämpfung der Terrororganisation ISIS, rütteln würde. Das israelische Finanzministerium, das den Ausstieg in einem kürzlich veröffentlichten Bericht bereits durchgespielt hat, glaubt sogar, dass der Brexit Chancen für Israel bieten könnte: „Es ist möglich, dass sich durch den Ausstieg Grossbritanniens aus der EU Israels Möglichkeiten, auf dem europäischen Markt zu konkurrieren, sogar verbessern.“ Der Export von Produkten wie Pharmazeutika, elektronischen Maschinen und optischen Geräte, bei denen sich Israel den Exportmarkt u.a. mit Grossbritannien teilt, in die EU könnte steigen. Auch die Nachfrage nach israelischen Exporten im Vereinigten Königreich selbst, könnte durch den Ausstieg wachsen.

Sorgen machen sich aber u.a. israelische Studenten, von denen viele mit europäischen Pässen und Stipendien, an britischen Universitäten lernen und forschen: für sie könnte der Ausstieg deutlich höhere Studiengebühren und einen unsicheren Aufenthaltsstatus bedeuten.

Insgesamt wird deutlich, dass sich durch den Brexit auch für Israel durchaus einige Fragen zur Zukunft der europäischen Union und den politischen Beziehungen mit dieser stellen.

#brexit wurde in den sozialen Medien schnell zu einem der meist benutzten Hashtags, nachdem Gross-Britannien sich im Referendum für den EU-Ausstieg ausgesprochen hatte (Bild: Screenshot Twitter)
#brexit wurde in den sozialen Medien schnell zu einem der meist benutzten Hashtags, nachdem Gross-Britannien sich im Referendum für den EU-Ausstieg ausgesprochen hatte (Bild: Screenshot Twitter)

Weitere Informationen:

Professor warnt vor Folgen des Brexit für Israel (englisch), Times of Israel, 24.06.16

Wenig Konsequenzen für Israel durch Brexit (englisch) Jpost, 23.06.16

Finanzministerium sieht Chancen im Brexit (englisch), Ynet, 26.06.16

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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