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Israel wird 68 Jahre alt – und feiert am Grill

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„Wir Juden haben eine Menge Feiertag aber der israelische Unabhängigkeitstag ist etwas besonderes“, erklärt Yuval Illuz, einer der vielen Grillmeister, die sich am Geburtstag des Staates Israel in einem Wald im Schefela, das zwischen Bergland Judäas und der Mittelmeer-Küstenebene liegt, zusammengefunden haben, „In 68 Jahren haben wir erreicht, wovon andere Nationen nur träumen können, ob in Technologie, Wissenschaft oder militärischer Kraft. Wir sind geografisch in einer schwierigen Situation und auch wenn es vieles gibt, dass wir verbessern können, haben wir das bisher gut gemacht und das will ich feiern!“

Die Stimmung am Unabhängigkeitstag in Israel liegt so ein wenig zwischen Silvester und Herrentag – Feuerwerke und Partys am Abend zuvor, eine Flugshow am Vormittag und ganz wichtig: Ein Essen am Grill. Das „Al ha esch“ (wörtlich: „Auf dem Feuer“) oder Mangal, wie die Israelis ihr Grillvergnügen nennen, darf an keinem Unabhängigkeitstag fehlen. Ein Phänomen, mit dem sich der Soziologe Nir Avieli jetzt sogar in seiner Forschung beschäftigt hat und der in der Art, wie Israelis grillen die Identität der Nation repräsentiert sieht: „Es gibt beim israelischen Grillvergnügen am Unabhängigkeitstag zwei Elemente – der Umgang mit dem Fleisch und der Umgang mit dem Raum, in dem gegrillt wird und ich glaube, dass beide die Ambivalenz zwischen Machtsinn und Schwäche, zwischen Stabilität und Zustrom der israelischen Gesellschaft widerspiegeln.“

Der Grillmeister als „Beschützer“ des Landes

Konkret glaubt Avieli unter anderem, dass die Art wie israelische Männer grillen ihre wahrgenommene Rolle in der Gesellschaft, vor allem als Soldaten und „Beschützer“ des Landes reflektieren. Ausserdem betont der Soziologe in seiner Studie, dass die Tatsache, dass die meisten Grills in Parks gemeinsam mit vielen anderen Grill-begeisterten aufgestellt werden und das damit verbundene Sichern eines guten Platzes an die Art erinnern, wie vor Staatsgründung Kibbuzim in Israel errichtet wurden: Diese mussten nämlich praktisch über Nacht gegründet werden. Auch Phänomene wie das Bringen von sehr professioneller Ausrüstung bis hin zum Zusammendrängen von (fremden) Menschen, während ein weiterer Park nebenan praktisch leer ist, hat Avieli analysiert und in einen Zusammenhang mit der israelischen Psyche gebracht.

Der Israeli und sein Grill – egal, ob über den Dächern Tel Avivs oder im Park, wichtig ist, dass viel Fleisch und viele Leute dabei sind (Bild: KH).
Der Israeli und sein Grill – egal, ob über den Dächern Tel Avivs oder im Park, wichtig ist, dass viel Fleisch und viele Leute dabei sind (Bild: KH).

Weitere Informationen:

Studie von Nir Avieli „Grilled Nationalism: Power, Masculinity and Space in Israeli Barbeques“

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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