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Radikale Veränderungen auf Israels Mobiltelefon-Markt

in Israel Zwischenzeilen

Der israelische Mobiltelefon-Markt ist einer der wenigen Punkte, der nicht regelmäßig in der Debatte um zu hohe Lebenskosten kritisiert wird. Tatsächlich waren die Veränderungen des damaligen Kommunikationsminister Moshe Kachlon so erfolgreich, dass er mit ihnen im Rücken zur letzten Wahl angetreten und mit seiner gegründeten Partei prompt Finanzminister geworden ist.

Dank Kachlon konnte der ehemals unflexible Markt reformiert werden und neue Mobilanbieter, allen voran Golan Telecom, sorgten mit einem starkem Wettbewerb für fallende Preise. Für rund 100 NIS monatlich (ca. 23 Euro, 25 CHF) kann man heute Telefon-, Internet- und SMS-Flat bekommen und zusätzlich kostenlos auf Festnetzanschlüsse in vielen Ländern telefonieren. Gelitten hat unter dem Preiskampf vor allem die Infrastruktur, da die Unternehmen anführen, nicht mehr genug Geld zu haben, um in diese zu investieren. Mittlerweile wurde die Start-up-Nation sowohl bei den Bedingungen für Mobilfunknetze als auch beim Internet-Speed von vielen OECD-Ländern abgehängt.

Eine Tatsache, die nun auch Golan Telecom zum Verhängnis wurde: Da der Billiganbieter versprochene Infrastruktur-Projekte nicht stemmen konnte, musste das Unternehmen verkauft werden. Mit Cellcom hat ausgerechnet einer der ehemaligen Monopolisten das junge Mobilfunkunternehmen erworben. Finanzminister Moshe Kachlon hatte sich übrigens erfolglos gegen den Deal ausgesprochen. Denn damit scheint sicher, dass die Zeiten von Israels preiswerten Mobiltelefon-Markt vorbei sind.

Israelis hängen leidenschaftlich gerne am Handy – die Bedingungen dafür werden jetzt schlechter (Bild: Presse).
Israelis hängen leidenschaftlich gerne am Handy – die Bedingungen dafür werden jetzt schlechter (Bild: Presse).

Weitere Informationen:

Mobilfunk-Markt verändert sich radikal (englisch), Ynet, 03.11.15

Cellcom kauft Golan Telecom (englisch), Ynet, 05.11.15

 

 

Redakteurin Katharina Höftmann arbeitete im Auslandsbüro der dpa in Tel Aviv und für die WELT ONLINE. Sie lebt als freie Journalistin und Buchautorin in Tel Aviv («Guten Morgen Tel Aviv», «Die letzte Sünde»).

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